Tillich will „braunen Dreck loswerden“
Sachsens Ministerpräsident besucht Zwickau und zeigt Kante gegen Rechtsextreme
Zwickau Erstmals seit der Enttarnung des Zwickauer Neonazi-Trios hat Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) in der viertgrößten sächsischen Stadt Stellung gegen Rechtsextremismus bezogen. Es sei eine „schmerzhafte Tatsache“, dass sich rassistisch motivierte Rechtsterroristen ausgerechnet in Zwickau ihren „Ruheraum“ für ihre unfassbaren Verbrechen in ganz Deutschland eingerichtet hätten, sagte Tillich am gestrigen Montagabend vor mehr als 200 geladenen Vertretern aus Politik und Gesellschaft.
Während der Festveranstaltung unter dem Namen „Erster Zwickauer Demokratiedialog“ zeichnete Tillich gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) sechs Feuerwehrmänner aus. Sie hatten den zur Vernichtung von Beweisen gelegten Brand im letzten Versteck der Rechtsterroristen am 4. November gelöscht – ohne um die besondere Brisanz zu wissen. In dem Schutt wurden anschließend nach bisherigem Kenntnisstand die Belege für eine beispiellose Mordserie an türkisch- und griechischstämmigen Menschen gefunden.
Der damalige Einsatz der Feuerwehrmänner gilt angesichts der späteren Waffenfunde im Nachhinein als besonders gefährlich. Tillich zufolge haben die Feuerwehrleute mit ihrem „besonnenen Handeln“ mit dafür gesorgt, dass die Verbrechen überhaupt aufgeklärt werden können. Es sei unerträglich, dass Menschen anderen Bürgern die Existenzberechtigung absprächen. „Wir werden aber den Kampf aufnehmen. Denn unsere Demokratie ist wehrhaft, anders als noch in der Weimarer Republik“, sagte Tillich. Unter Verweis auf das von ihm angestrebte Verbot der NPD, die seit 2004 im Dresdner Landtag sitzt, fügte er hinzu: „Sachsen muss diesen braunen Dreck loswerden.“
Oberbürgermeisterin Pia Find eiß (SPD) forderte im Kampf gegen rechts konservative und linksorientierte Kräfte zur Aufgabe eines zuweilen noch anzutreffenden „Alleinvertretungsanspruchs“ auf. „Es gilt, eine demokratische Kultur zu entwickeln und zu leben – gerade unter überzeugten Demokraten“, sagte sie. Findeiß hatte Tillich kürzlich noch vorgeworfen, die wegen der rechtsextremen Terrorgruppe NSU um ihren Ruf besorgte Stadt alleinzulassen. „In Thüringen erlebe ich, dass sich dort ein ganzer Freistaat engagiert gegen Rechtsextremismus, angefangen von der Ministerpräsidentin“, hatte Findeiß geklagt – und einzig Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) von ihrer Kritik ausgenommen.
Zum Auftakt seiner Zwickau-Visite hatte sich Tillich eine Schüler-Ausstellung zum Thema „Zwangssterilisation und Euthanasie während des Nationalsozialismus“ im Zwickauer Clara-Wieck-Gymnasium angeschaut.
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Erstellt am: 31. Januar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 31. Januar 2012, 13:05 Uhr
Autor: dpa/bl

Jüngste Kommentare (2)
Das Löschen von Beiträgen
von Altanschliesser
ist das gute Recht der LR als Forumsbetrieber. Allerdings zeigt das eben, dass die LR doch nicht ganz so unabhängig ist, wie es jetzt anstelle des "Organs der Bezirksleitung der SED Cottbus" unter dem Zeitungstitel steht. Der gelernte DDR-Bürger kann eben auch zwischen den Zeilen lesen und das Löschen von Beiträgen ist letztlich auch eine Nachricht.
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von Schneeleib
Doch, sie fielen aber der Zensur zum Opfer (wie natürlich auch dieser).