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Sachsen

Mackenroth will Jugendknast ohne Mauern

In der Debatte um ein schärferes Jugendstrafrecht hat Justizminister Geert Mackenroth (CDU) gestern landesweit schnellere Verfahren gegen junge Wiederholungstäter und die Einrichtung einer alternativen Erziehungsstätte angekündigt. „Gerade bei Jugendlichen muss die Strafe der Tat auf dem Fuß folgen“, sagte Mackenroth.

16.01.2008
Rechtsgutachten - Justizminister Mackenroth (CDU)
Inhaftierte jugendliche Straftäter sollen nach Ankündigung von Justizminister Geert Mackenroth (CDU) künftig in Sachsen mithilfe einer neuen Form des Vollzuges wieder auf den rechten Weg gelangen. Vorbild sei ein Projekt aus Baden-Württemberg, erklärte der Minister gestern in Dresden.
Foto: ZB
Daher laufe bereits das Pilotprojekt „Juni“ zur Verfahrensbeschleunigung bei denjenigen Jugendlichen, „bei denen eine Verfestigung krimineller Verhaltensweisen sichtbar wird“.
Nachdem bei den Staatsanwaltschaften Dresden und Zwickau voriges Jahr 172 solcher zügigen Verfahren liefen, werde das Projekt jetzt landesweit ausgedehnt. Dabei soll spätestens drei Wochen nach der letzten Vernehmung des Beschuldigten Anklage erhoben werden und fünf Wochen nach der ersten Vernehmung die Hauptverhandlung beginnen. Dies gelte für Täter unter 18 Jahren, die wegen mindestens fünf Straftaten oder zwei Gewaltdelikten aufgefallen sind.
Mackenroth will zudem eine neue, geschlossene Erziehungsanstalt für Jugendgefangene jenseits der klassischen Gefängnisse eröffnen. „Die jungen Straftäter werden durch einen streng strukturierten Tagesablauf mit Sport, Ausbildung und sozialen Trainings kontinuierlich gefordert. Daher kommt eine solche Einrichtung ohne Mauern aus“, so Mackenroth. Das neue Jugendstrafvollzugsgesetz biete seit 2008 die Chance zu freien Formen. Nähere Angaben machte der Minister nicht. Das Ministerium sei noch auf der Suche nach einem Standort und einem Träger.
Geplant werde zunächst mit ein oder zwei Gruppen von bis zu zehn Jugendlichen. Sie würden von Mitarbeiterfamilien aufgenommen und in deren Strukturen „oft erstmalig erfahren, wie ein geordnetes und von Respekt und Verlässlichkeit geprägtes Zusammenleben aussieht“.
Dabei müssten die Gefangenen ihr Sozialverhalten üben. „Wir wollen kriminelle Karrieren frühzeitig unterbrechen. Dazu kann diese innovative Form beitragen“, so Mackenroth. Eine Modelleinrichtung gebe es schon im baden-württembergischen Leonberg. Dort beginnen die Tage mit Frühsport um 5.45 Uhr und enden um 22 Uhr. Ziel sei es, ohne die „negative Subkultur“ im normalen Knast die Stärken der Jugendlichen herauszuarbeiten und sie in Ausbildung zu vermitteln, sagte der Leiter des „Seehauses“, Tobias Merckle.
Ein anspruchsvolles Experiment: Zehn von bisher 34 Insassen seien nach einer Weile freiwillig wieder ins Gefängnis zurückgegangen. Doch nur zwei von 16 Entlassenen seien rückfällig geworden, so Merckle. In Sachsen beträgt die Rückfallerquote 70 bis 75 Prozent. Dies sei eine „Horrorzahl“, räumte Mackenroth ein.
Von Sven Heitkamp
 
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