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Sachsen

Gefährliche Schwaden ziehen über Sachsen

Er ist unsichtbar, nicht zu riechen und zu schmecken, und dennoch gelangt er durch Nase und Mund tief in den menschlichen Körper. Dem gesundheitsschädlichen Feinstaub sind auch die Sachsen zunehmend ausgesetzt. Vor allem in verkehrsreichen Ballungsgebieten wie den Innenstädten von Leipzig, Chemnitz und Dresden sind die Menschen von steigender Staubkonzentration betroffen, wie der Präsident des Sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie, Michael Kinze, gestern bei der Vorstellung des Jahresberichts zur Immissionssituation in Sachsen 2002 sagte.

16.12.2003
In Sachsens größten Städten wurde der ab 2005 einzuhaltende Grenzwerte für Feinstaub zum Schutz der menschlichen Gesundheit mehrfach überschritten. Er liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.
Kinze führte aus, die mikroskopisch kleinen Staubpartikel, die weniger als ein Zehntel eines Haares messen, stammten in erster Linie aus den Auspuffen von Dieselfahrzeugen, aber auch aus Industrie- und Kleinfeuerungsanlagen. Über die Atmung gelangten die schädlichen Partikel selbst in die feinsten Verästelungen der Lunge und führten häufig zu Husten, Asthma, Bronchitis und anderen Atemwegserkrankungen. Den Angaben zufolge werden in der Europäischen Union (EU) pro Jahr 100 000 vorzeitige Todesfälle der Belastung durch Feinstaub zugeschrieben.
Neben der wachsenden Zahl an Autos sind nach Kinzes Worten vor allem Lastwagen für den Staubgehalt in der Luft verantwortlich. Durch die Öffnung der EU-Grenzen nach Osten und der zu erwartenden Zunahme des Transitverkehrs werde sich die Lage für Sachsen voraussichtlich weiter verschärfen, vermutete der Schadstoffexperte. „Der Güterverkehr muss auf die Schiene“, forderte Kinze daher. Zudem sprach er sich für eine standardmäßige Einführung von Staubfiltern für Kraftfahrzeuge aus und riet Autofahrern, aus Rücksicht auf die Umwelt auf unnötige Fahrten mit dem Pkw zu verzichten.
Die klassischen Schadstoffe wie Schwefeldioxid und Grobstaub stehen heute wegen der Katalysatoren und dem Einsatz umweltfreundliche Brennstoffe bei der Luftqualität nicht mehr im Vordergrund, wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, Jedoch werde der daraus erwachsende Vorteil für die Luft durch die insgesamt steigende Zahl an Fahrzeugen wieder aufgezehrt, verdeutlichte Kinze.
Auch für die zunehmende Ozonbelastung in Sachsen ist nach Worten des Experten der Straßenverkehr verantwortlich. So wurden besonders in den höheren Lagen des Erzgebirges nicht nur die Zielwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit, sondern auch zum Schutz der Pflanzen mehrfach überschritten. Vor allem im Sommer 2003 ist es den Angaben nach zu Rekordwerten gekommen. So sei in Radebeul-Wahnsdorf mit 240 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft der höchste, jemals in Sachsen beobachtete Stundenmittelwert gemessen worden.
Von Alessandro Peduto
 
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