Die Kammer des Schreckens von Leipzig
Foltergeräte des Mittelalters in neuem Kriminalmuseum zu sehen
Diese Drei spannen uns nicht länger auf die Folter. Die Kammer des Schreckens in Leipzig erwartet die ersten Besucher.
»Anfassen erlaubt! Das macht unser Foltermuseum weltweit einzigartig«, schwärmt Thomas Winter. Sein Begrüßungsspruch am Eingang: »Begleiten Sie mich bitte zur Folter«. Man kann sich unter eine Guillotine legen, in eine Streckleiter hängen, auf einem Dornenstuhl Platz nehmen. Nur wertvolle originale Eisenfolterinstrumente sind hinter Glas, wie Daumenschrauben, Mundsperren, Kopfpressen. In zehn Kammern des Schreckens kann man das Grauen des Mittelalters hautnah erleben. »Im Laufe der Zeit wurde nämlich viel verniedlicht«, weiß der Museumsführer und nennt als Beispiel den Pranger. »Der Gefangene war Freiwild für die wütende Bevölkerung. Man quälte ihn, bewarf ihn mit Fäkalien oder verstümmelte ihn sogar«, erzählt Thomas Winter.
Auch ein hängender Käfig, der oftmals vor Rathäusern oder Gerichten stand, war ein Todesurteil. In ihm verhungerten, verdursteten oder erfroren die Gefangenen.
Bisher schlummerten die Folterinstrumente in einer Scheune in der tschechischen Provinz. »Mein Großvater Frantisek sammelte sie im Laufe seines Lebens zusammen«, erinnert sich Lenka Jezkova. »Er war oft dabei, wenn man alte Schlösser in der Umgebung rekonstruierte und die Folterinstrumente aus dem Keller achtlos wegwarf.« Der Großvater wollte sie für die Nachwelt erhalten, rekonstruierte sie aber nicht. Das nahm nun Enkelin Lenka in die Hand. Da sie in Leipzig schon eine Gaststätte führt, kam sie zusammen mit dem Museologen Thomas Dieckmann sowie mit Thomas Winter auf die Idee, ein Kriminalmuseum auf die Beine zu stellen. Ohne Fördermittel, dafür mit einer Riesenportion Optimismus und Geschicklichkeit rekonstruierten sie detailgetreu die teils schon völlig desolaten hölzernen Folterinstrumente.
Gegenüber vom Hauptbahnhof fanden die Drei in der Nikolaistraße geeignete Räume für Leipzigs Kriminalmuseum. Dort werden die Grausamkeiten nun präsentiert, beschrieben und in die Geschichte eingeordnet. Gruselfaktor garantiert. Das Museum ist dienstags bis sonntags von elf bis 18 Uhr geöffnet. Es befindet sich in Leipzig, Nikolaistraße 59. Der Eintritt beträgt zwischen vier und sechs Euro.
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Erstellt am: 11. Januar 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 11. Januar 2011, 02:43 Uhr
Autor: Von Thomas Gillmeister

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