Reinhold Dellmann (SPD) zum Lagerstätten-Angebot von Stanislaw Tillich
Dresden/Cottbus
In der Debatte um die umstrittene Erdeinlagerung des Klimagases Kohlendioxid (CO) hat Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) Sachsen als denkbaren Lagerstandort ins Spiel gebracht – wenn es die geologischen Formationen zulassen. Genau dies ist aber äußerst fraglich.
Seit die Bundesregierung Mitte Juli den Entwurf eines CO-Speichergesetzes vorgelegt hat, ist die Debatte um die neuartige Technologie voll entbrannt. Kann, darf und soll Kohlendioxid, das von Kohlekraftwerken in die Luft gepustet wird, aufgefangen und in der Erde verpresst werden? Welche Risiken drohen dabei? Das Gesetz aus den Häusern von FDP-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle und CDU-Umweltminister Norbert Röttgen sieht zunächst eine Testphase bis 2017 vor. Dann soll neu entschieden werden.
Während in Brandenburg heftig über ein erstes Testlager gestritten wird, bot Tillich jetzt auch Sachsen als potenziellen Standort an. »Ich setze mich mit ganzer Kraft dafür ein, dass der einzige Energielieferant, den wir in Sachsen haben, nämlich die Braunkohle, stärker genutzt wird«, sagte Tillich der RUNDSCHAU. Die CCS-Technologie sei dabei »eine erfolgversprechende Zukunftstechnologie und eine Innovationschance für Deutschland als Exportland«.
Die Technik wird seit Jahren vom Energiekonzern Vattenfall in der Lausitz erprobt. »Beim Nachweis geeigneter geologischer Formationen für eine sichere Einlagerung von CO sollte diese Technologie auch angewandt werden«, sagt Tillich. Laut Vattenfall würden bei einem Erfolg der Pilotprojekte auch die Kraftwerke in Lippendorf und Boxberg mit der CCS-Technologie nachgerüstet. Der Freistaat wolle daher seinen Beitrag dazu leisten, dass die Pilotprojekte möglich werden. Der Vorstoß hat indes noch einen anderen Hintersinn: Tillich kritisiert zugleich eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken.
Sachsens Landesamt für Umwelt und Geologie wurde im April beauftragt, Speichermöglichkeiten im Untergrund des Freistaates zu bewerten. Erste Untersuchungen ließen allerdings vermuten, dass es in Sachsen schwierig sei, passende geologische Formationen für eine CO-Speicherung zu finden, räumt ein Sprecher der Staatskanzlei ein. »Es wird aber weitergeforscht.« Als wichtigste Speicherplätze gelten alte Erdgaslagerstätten sowie tiefe, Salzwasser führende Gesteinsschichten. Ein Blick auf die Deutschlandkarte der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zeigt Sachsens aber als weitgehend weißen Fleck - »nicht geeignet«. Einzig im Nordosten des Freistaates könnte es passende Gesteinsschichten geben.
Grünen-Umweltpolitiker Johannes Lichdi geht aber auf die Barrikaden. »Die Einlagerung von CO ist unnötig und gefährlich«, warnt der Landtagsabgeordnete.
Bei einer Leckage würde das Treibhausgas am Boden bleiben und zum Ersticken alles tierischen und menschlichen Lebens führen, so der Leipziger Greenpeace-Mitarbeiter Steffen Horn. Ob es aber in Sachsen zu solch Risiken kommt, werden nicht zuletzt Geologen in wenigen Wochen entscheiden.
Reinhold Dellmann ist Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses des Brandenburger Landtags. Archivfoto: RundschauDas Angebot von Ministerpräsident Tillich, Kohlendioxid (CO) aus Brandenburger Kraftwerken im Freistaat einzulagern, wird von Reinhold Dellmann (SPD), dem Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses im Brandenburger Landtag, positiv aufgenommen. Die RUNDSCHAU sprach mit ihm über das überraschende Angebot.Herr Dellmann, CO aus dem künftigen Demokraftwerk Jänschwalde nach Sachsen, wäre das eine Option?
Es ist hilfreich, dass Sachsen offen ist für diese Technologie. Kernfrage ist aber im Moment nicht, wo das CO gelagert wird. Viel mehr geht es um eine gemeinsame Haltung zum Entwurf des CCS-Gesetzes.
Warum ist das aus Ihrer Sicht so wichtig?
Die Länder Sachsen und Brandenburg sollten an einem Strang ziehen, wenn sie diese Technik wollen. Die Wirtschaftsminister beider Länder sollten sich deshalb möglichst schnell abstimmen.
Bei Ihrem Koalitionspartner gibt es Streit über diese Technik. Der parlamentarische Geschäftsführer der Linken-Fraktion kritisierte gerade öffentlich seinen Parteifreund, Wirtschaftsminister Ralf Christoffers. Ist das hilfreich?
Nein, ich erwarte, dass die Fraktion der Linken sich in diesen Fragen einigt und sich hinter Christoffers stellt.
Strittig ist die Forderung von Christoffers, Klagen gegen CO-Speicher von drei auf zwei Instanzen zu reduzieren. Was halten sie davon?
Es gibt Bereiche, zum Beispiel im Straßenbau, da hat sich dieser verkürzte Verfahrensweg bewährt.
Mit Reinhold Dellmann sprach Simone Wendler
Jüngste Kommentare
Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden