01. Februar 2012, 00:00 Uhr

Bundesfreiwilligendienst kommt an seine Grenzen

Sächsische Sozialverbände wollen mehr Freiwillige einstellen / Kontingente sind aufgebraucht

Dresden Der Bundesfreiwilligendienst entwickelt sich zu einem Renner: Die verfügbaren Plätze reichen nicht aus. Nur gut die Hälfte der voraussichtlich 60 000 Bewerber wird in diesem Jahr einen der 35 000 vom Bund finanzierten Freiwilligenplätze finden.

Freiwilligendienstler haben an vielen Stellen die Arbeit ehemaliger Zivis übernommen. Foto: dpa
Sachsens Sozialverbände drängen auf eine Ausweitung des Bundesfreiwilligendienstes. Zusätzlich zu den bereits bewilligten Stellen gebe es bei den Verbänden einen großen Bedarf an Freiwilligen, sagte eine Sprecherin der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Dresden. Obwohl es Interessenten gebe, könnten aber keine neuen Verträge abgeschlossen werden, da das vom Bundesfamilienministerium aufgestellte Kontingent aufgebraucht sei.

Vor rund sieben Monaten wurde der Bundesfreiwilligendienst eingeführt. Er trat an die Stelle des Zivildienstes, der durch die Aussetzung der Wehrpflicht entfiel. Bundesweit sollten für den neuen Dienst 35 000 Plätze geschaffen werden. In Sachsen ist das Kontingent mittlerweile erschöpft. So hat die Caritas neben ihren bisherigen 65 Stellen noch Bedarf für zusätzliche 140 Freiwillige. Auch beim Deutschen Roten Kreuz, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und der Diakonie werden noch Stellen gebraucht.

Große Bedarfslücken

Bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist die Lücke zwischen den bewilligten Stellen und dem tatsächlichen Bedarf besonders groß. Zum Start des Bundesfreiwilligendienstes hatte die AWO 250 Plätze beantragt. Die Freiwilligen sollten im Altenpflegebereich, in Bildungsstätten sowie in Kindertages- und Behinderteneinrichtungen zum Einsatz kommen. Verträge konnten aber nur mit 117 Interessenten abgeschlossen werden. Die übrigen 133 Stellen bleiben frei, da es dafür vonseiten des Bundesfamilienministeriums keine Bewilligung gibt.

„Das Interesse ist ungebrochen“, sagt AWO-Sprecherin Ines Vogel. Täglich gebe es mehrere Anfragen von Interessenten, die beim Freiwilligenprogramm mitmachen wollten. Sie mit Verweis auf die fehlenden Plätze zu vertrösten, sei ausgesprochen ärgerlich.

Unerwartet große Nachfrage

Auch beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) gibt es derzeit einen Einstellungsstopp für „Bufdis“, wie die Teilnehmer des Bundesfreiwilligendienstes auch genannt werden. Von 150 beantragten Plätzen wurden 137 Stellen genehmigt. Aber nicht nur der Bedarf ist höher, sondern auch das Interesse. „Dass die Nachfrage so hoch ist, haben wir nicht erwartet“, sagt DRK-Sprecherin Antonie Muschalek. Neben Schulabgängern, die statt des ehemaligen Zivildienstes nun das Freiwilligenprogramm nutzten, meldeten sich auch ältere Menschen beim DRK. 60 Prozent der Freiwilligen seien dementsprechend älter als 27 Jahre.

Ob es tatsächlich zu der von den Verbänden geforderten Aufstockung kommt, ist fraglich. Ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums sagte in der vergangenen Woche, dass eine Aufstockung der Mittel zwar wünschenswert sei. Mit Blick auf den Haushalt komme dies aber im Moment nicht in Betracht. Das Ministerium rechnet für 2012 mit bis zu 60 000 Bewerbern auf lediglich 35 000 Plätze.

 

Zum Thema:

Der Bundesfreiwilligendienst Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) ist am 1. Juli 2011 gestartet. Er soll den mit der Wehrpflicht weggefallenen Zivildienst ersetzen. Männer und Frauen aller Altersgruppen können den Dienst leisten – vor allem in sozialen Einrichtungen, Sportvereinen oder Kulturinstitutionen. Bundesweit sind für den BFD 35 000 Stellen vorgesehen. Der freiwillige Dienst soll in der Regel zwölf, mindestens sechs und höchstens 24 Monate dauern. Die Teilnehmer erhalten ein Taschengeld von bis zu 330 Euro. Einige Einrichtungen bieten auch Unterkunft und Verpflegung an. Eltern, deren Kinder den BFD leisten und das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, erhalten außerdem Kindergeld. Die Freiwilligen werden pädagogisch begleitet, sowohl in ihren Einrichtungen als auch bei Seminaren. Der Bund fördert nach Angaben des Bundesfamilienministeriums den Freiwilligendienst mit 350 Millionen Euro pro Jahr.
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Erstellt am: 01. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 01. Februar 2012, 12:04 Uhr
Autor: Von Christian Wolf

Von Christian Wolf

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