Buchheimer Budenzauber auf Rädern
Er ist der Wagenbauer im Reich der Fantasie. Denn in den Werkstätten von Marko Pfaff (44) aus Buchheim bei Bad Lausick entstehen einzigartige Wagen, die deutschlandweit derzeit auf den Weihnachtsmärkten nicht nur die Herzen der Kinder erobern.
Erinnerungen werden wach
Denn dann werden sie wieder lebendig, die Erinnerungen daran, wie die Fantasie-Fahrzeuge in der Werkstatt entstanden. In immer-höher-immer-schneller-immer-bunter-Zeiten sind die Paffschen Wagen kleine Wunderwerke, wie beispielsweise die Losbude „Venetia“. Über ein Jahr benötigte Marko Pfaff für das fast zehn Meter hohe doppelstöckige farbenprächtige Spielgeschäft. Der bayerische Schausteller hat mit dem 36-Tonner das große Los gezogen. Die Wagen aus Sachsen sind einerseits mit modernster Computertechnik hinter den Kulissen ausgestattet, andrerseits trotzdem liebevoll handgefertigte Unikate, die auffallen, die bezaubern, die einladen.
Bereits in den fünfziger Jahren begann Franz Paff, aus Holz Wohnwagen und Spielgeschäfte für Schausteller zu bauen. Schnell machte sich der Stellmachermeister einen guten Namen, so dass er mit Aufträgen aus der ganzen DDR überhäuft wurde. Manchmal mussten die Kunden für eine Los- und Würfelbude oder einen Schießstand bis zu sieben Jahre warten. Die Söhne Andreas, Rüdiger und Gerald traten in Vaters Fußstapfen, während sich Marko Pfaff 1985 als Schmiedemeister mit einer Spezialfahrzeugbau-Firma selbständig machte. Könnte Franz Pfaff ihn anno 2005 vom Himmel aus sehen, wäre er stolz auf seinen Sohn. Denn heute beschäftigt er 27 Gesellen, bildet 13 Lehrlinge aus und hat einen Jahresumsatz von zirka zwei Millionen Euro.
Zahlreiche berühmte Schaustellerfamilien aus Deutschland, Belgien, Dänemark und Luxemburg sitzen bei Marko Pfaff am Tisch, schwelgen in neuen Jahrmarktsträumen, die der Mann mit den zwei goldenen Händen danach in Budenzauber auf Rädern umsetzt. Zurzeit sind besonders Stände rund um süße Versuchungen gefragt, wie für Zuckerwatte, kandierte Früchte, Schmalzgebäck.
Klassische Wohnwagen
Aber auch die klassischen Wohnwagen fürs fahrende Volk selbst, die heutzutage mit allem nur möglichen Luxus ausgestattet werden können, entstehen in den Werkstätten. „Nebenbei“ werden historische Wagen restauriert, repariert und umgebaut. Viel Arbeit für das Firmenschwergewicht (1,87 Meter, 106 Kilogramm) und Vater zweier Söhne (14 und 19 Jahre alt), der trotz allen Stresses ausgeglichen ist.
„Das habe ich mir von den Schaustellern abgeschaut“, bemerkt Marko Pfaff. „Obwohl ihr Leben oft Achterbahnfahrten gleicht, bei denen es mal hoch und runter geht, geben sie nie auf und bleiben Kumpel“, weiß er inzwischen. Gerade deshalb kommt er mit ihnen auch nach Geschäftsabschluss gern in Gespräch. Dann plaudert man über Gott und die (Schausteller-) Welt.
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Erstellt am: 15. Dezember 2005, 01:05 Uhr
Geändert am: 09. August 2008, 01:23 Uhr
Autor: Von Thomas Gillmeister

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