07. September 2010, 00:00 Uhr

Böden des Freistaates für Kohlendioxid ungeeignet

Sächsischer Umweltminister ist enttäuscht über das Ergebnis der Untersuchung

Dresden Nirgendwo in Sachsen ist es möglich, das klimaschädliche Kohlendioxid unterirdisch zu lagern. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). Sachsens Umweltminister Frank Kupfer bedauert das.

MinisterFrank Kupfer
Anfang August hatte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) den Stein ins Wasser geworfen: Alle Welt arbeite daran, CO unterirdisch zu entsorgen, »allein wir trauen uns das nicht«, sagte der Regierungschef im Interview einer überregionalen Zeitung.

Daher sei er generell bereit, das klimaschädliche Kohlendioxid (CO) in Sachsens Erde verpressen zu lassen, wenn die geologischen Formationen passen würden. »Wir haben ja Erdgas-Lagerstätten, da könnte man das CO speichern. Das stört bislang niemanden, warum dann bei CO?«

Die Antwort geben jetzt die Experten des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG): Die in Sachsen vorkommenden geologischen Formationen seien für eine CO-Speicherung »überwiegend nicht geeignet«, so das Fazit der 25-seitigen Expertise, die bereits im April vom Umweltministerium in Auftrag gegeben wurde.

Der einzige schmale Streifen in der Lausitz, der bedingt geeignet wäre, erstreckt sich bis nach Polen und ist bereits durch die Erkundung von Kupfervorkommen belegt. »Wenn dort Kupfer gefunden wird, kann es auch abgebaut werden«, erklärt der zuständige Umweltminister, Frank Kupfer. Gerade diese Kupferschicht bilde zugleich die Sperrschicht gegen CO-Austritte an die Erdoberfläche. Die Geologen des LfLUG kommen daher zu einem klaren Ergebnis: »Aufgrund der geringen räumlichen Ausdehnung des bedingt geeigneten Gebietes, eines Abstimmungserfordernisses mit Polen und eines räumlich überlagernden Berechtsamsfeldes zur Erzerkundung im betroffenen Barriere- und Speicherkomplex ist auch die Nutzung dieses Gebietes zur Verpressung von CO derzeit nicht möglich.« In Brandenburg tobt bereits heftiger Widerstand gegen ein geplantes Testlager. svh1

Herr Kupfer, die Speicherung von Kohlendioxid in Sachsen ist laut einer Studie ihres Hauses nicht möglich. Sind sie enttäuscht darüber?
Das Ergebnis bedauere ich sehr, weil die CCS-Technologie eine Chance ist, die in die Zukunft weist. Deshalb haben wir als Freistaat diese Entwicklung auch bewusst thematisiert. Deutschland könnte auf dem Gebiet weltweit Vorreiter sein, wenn wir die Technik weiterentwickeln und zum Einsatz bringen.

Ich möchte nicht, dass wir in die gleiche Sackgasse geraten wie beim Transrapid: Dass wir eine gute Idee international nicht vermarkten können, weil wir sie in Deutschland nicht anwenden. Das sollte uns mit der CCS-Technologie nicht passieren, dafür wird sich Sachsen weiter starkmachen.

Aber die CO-Verpressung könnte ein Festhalten an der Kohleverstromung auf Jahrzehnte zementieren, statt auf regenerative Energien zu setzen.
Die Braunkohle wird in Sachsen noch lange zur Absicherung der Strom-Grundlast notwendig sein, weil es bisher nicht die nötigen Speichermöglichkeiten für regenerative Energieformen gibt. Wenn wir etwas gegen den Klimawandel tun wollen, reicht es also nicht, Windräder aufzustellen.

Deshalb müssen wir etwas anbieten, das dem CO-Ausstoß entgegen wirkt. Und wenn wir die CCS-Technologie nach China verkaufen würden, das noch auf Jahrzehnte seinen gigantischen Energiebedarf vorwiegend mit Kohle decken wird, hätten wir wirklich etwas für den Klimaschutz getan. Im Übrigen gibt es ja schon Überlegungen, das durchaus wertvolle Kohlendioxid nicht ewig im Boden zu belassen, sondern später für andere Zwecke einzusetzen.

Bedeutet die Laufzeitverlängerung für AKWs einen Rückschlag für die Kohle?
Fakt ist: Je länger Kernkraftwerke am Netz sind, umso weniger Chancen haben wir hier, Kohle zu verstromen - und umso wichtiger wird es sein, neue klimafreundliche Techniken einzusetzen.

Mit Frank Kupfer sprach Sven Heitkamp/svh1

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Erstellt am: 07. September 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 09. September 2010, 16:35 Uhr
Autor: Von Sven Heitkamp

Von Sven Heitkamp

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