Verkehrsbehinderung durch Brückenbauarbeiten auf der A 10
Ferch. 420 Tonnen Stahl federleicht in luftiger Höhe über dem südlichen Berliner Ring: Vier Kräne arbeiten nach einer streng festgelegten Choreographie. Am Haken haben sie eine blaugrau gestrichene und etwa 67 Meter lange Stabbogenbrücke. Sie ist wichtig, damit bis 2015 die Autobahn A10 auf 8,3 Kilometern zwischen den Dreiecken Potsdam und Nuthetal auf acht Spuren ausgebaut werden kann .
Bra ndenburgs Autobahnchef Hans-Reinhard Reuter kann am Sonntag die Sperrung nach 39 Stunden aufheben. »Der Brückenaustausch war der Startschuss für den Autobahnausbau«, sagte er. Statt bisher durchschnittlich 90 000 Fahrzeuge könnten dann 120 000 pro Tag hier unterwegs sein. Per Handy hatte die Polizei Freitagnacht grünes Licht für das bislang in Brandenburg einzigartige Vorhaben gegeben. Nur Minuten nach der kurzen Ansage »Die Autobahn ist gesperrt« schickte die Projektmanagementgesellschaft Deges etwa 100 Bauleute mit 42 riesigen Baumaschinen auf die Betonpiste. Im Handumdrehen wurde die stockfinstere Nacht taghell durch unzählige Leuchten und Dutzende Schweißbrenner. Brückenteil für Brückenteil wurde abmontiert. Deges-Projektleiter Karl Kleinhans: »Es klappt wie am Schnürchen.« Vier Kräne brachten sich dann in Stellung und beförderten den neuen Stahlkoloss in die Luft. Auf der Autobahn fingen zwei Schwerlast-Transportmodule die 420 Tonnen schwere Stabbogenbrücke ab. Wie auf zwei überdimensionalen Rollschuhen wurde die tonnenschwere Fracht in langsamer Fahrt vorwärtsbewegt. Fast wie bei einem Videospiel steuerten dann zwei Fahrer per Joystick die beiden Transportrollschuhe mit 48 Einzelrädern über die gesperrte Autobahn. Schaulustige hatten ihren Ausflug direkt an die A10 verlegt. Bestens ausgestattet mit Picknickkörben, Decken und warmem Kaffee verfolgten sie das Geschehen. Sonntagmittag war auf der Autobahn wieder Alltag eingezogen. Autos sausten über die Strecke. Die neue Brücke stand fest auf ihrem Fundament. Die Baufahrzeuge waren abgezogen. Nur noch ein paar vergessene Plastikbecher in der Böschung zeugten vom außergewöhnlichen Picknickplatz wenige Stunden zuvor .
Nervenspiel: Trotz umfangreicher Vorwarnung vor den Bauarbeiten kam es zu Rückstaus auf der A10. Fotos: dpa
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Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 01. November 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 01. November 2010, 02:41 Uhr
Autor: Von Georg-Stefan Russew
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