04. Februar 2012, 00:00 Uhr

„Nachhilfeunterricht“ für Bildungspolitik

Gewerkschaft hält „Bildungspaket Sachsen 2020“ für unzureichend / Frust bei Lehrern wächst

Dresden Junge Lehrer braucht das Sachsenland. Doch wie lockt man Pädagogen, wenn andere Länder mit Beamtenstatus und besserer Bezahlung attraktiver wirken? Sachsens Bildungspolitik braucht nach Ansicht vieler „Nachhilfeunterricht“.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) registriert wachsenden Frust bei Sachsens Lehrern. Sollten im Zuge des Lehrermangels junge Kollegen mit Beamtenstatus und besseren Konditionen aus anderen Ländern nach Sachsen gelockt werden, dürfte der Gang in die „innere Emigration“ weiter zunehmen, sagte GEW-Chefin Sabine Gerold am Freitag in Dresden zur Situation. Lehramtsstudent Burkhard Naumann, Sprecher der Nachwuchsorganisation „Junge GEW“, berichtete von einem düsteren Stimmungsbild unter den Lehramtsstudenten. „Es wird viel darüber diskutiert, wie man sich in anderen Ländern bewirbt. Das ist das Hauptthema.“

Die Gewerkschaft reagierte am Freitag mit zahlreichen Forderungen auf das „Bildungspaket 2020“, das die schwarz-gelbe Koalition im Dezember vorgestellt hatte. Für Gerold ist das Reformpaket ohnehin eher ein mit Zuckerwatte gefülltes Päckchen: „Man beißt rein und hat nichts im Mund.“ Die Gewerkschaft warnte erneut vor einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft in den Lehrerzimmern“.

Die Benachteiligung sächsischer Pädagogen sei eine wesentliche Ursache für das jetzige Nachwuchsproblem. Nachteile Sachsens bei der Konkurrenz um den Nachwuchs könnten durch tarifliche und gesetzliche Maßnahmen ausgeglichen werden.

Die GEW hat eine bessere Motivation künftiger Lehrer in Sachsen angemahnt. Der politische Umgang mit der jetzigen Lehrergeneration und die aktuelle Belastungssituation wirkten nicht werbend für den Lehrerberuf, sagte Sabine Gerold. Das Geschacher um Stellen und Kosten müsse aufhören.

„Wir machen uns große Sorgen um die Debatte – wie sie läuft“, sagte Gerold. Die Diskussion treibe die jungen Lehrer geradezu aus dem Land. Die Ausbildung und Einstellung von Pädagogen dürfe nicht als Hypothek betrachtet werden. In den Fokus gehöre vielmehr, wie wichtig dieser Beruf für das Land ist. Würde man die Bevölkerung fragen, ob mehr Steuergeld in die Bildung fließen solle, gäbe es mit Sicherheit eine Mehrheit dafür, zeigte sich Gerold überzeugt.

„Der Generationenwechsel in den Lehrerzimmern wird nur gelingen, wenn die Interessen des potenziellen Lehrernachwuchses und der älteren Lehrergeneration gleichermaßen beachtet statt gegeneinander ausgespielt werden“, merkt die GEW in einem Positionspapier an. Die GEW befürchtet, dass sich mit Übernahme junger Lehrer aus anderen Bundesländern schon bestehende Einkommensunterschiede manifestieren. Außerdem lehnt die GEW eine weitere Differenzierung der Ausbildung für die verschiedenen Schularten ab. Wenn man schon differenziere, müsse es für alle die gleiche Regelstudienzeit geben, hieß es.

Das Kultusministerium müsse daher eine ehrliche Analyse der aktuellen Personalsituation vorlegen und auf der Grundlage in einen Dialog mit der Interessenvertretung der Lehrer eintreten.

Zum Thema:

Es ist ein Dilemma – erst waren es zu viele Lehrer an Sachsens Schulen, ab 2012 droht ein Lehrermangel. Darüber, wie viele Lehrerstellen es künftig an Sachsens Schulen geben wird, ist ein Streit zwischen Kultus- und Finanzminister entbrannt.Bis 2020 will das Land jede fünfte Stelle im öffentlichen Dienst einsparen, die Personalstärke von aktuell 87 000 auf 70 000 Stellen senken. Ginge es nach Finanzminister Georg Unland (CDU), müsste auch an den Schulen Personal eingespart werden – er will die Lehrerstellen bis 2020 auf 23 000 eindampfen.Kultusminister Ronald Wöller (CDU) hingegen will sich dafür einsetzen, dass die aktuell 28 341 Stellen erhalten bleiben, die sich 33 497 Pädagogen teilen. Die Zahl der jährlich neu eingestellten Referendare will er von 650 auf 1300 verdoppeln.
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Erstellt am: 04. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 04. Februar 2012, 03:15 Uhr
Autor: Von Jörg Schurig

Von Jörg Schurig

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