Dies habe eine Auswertung von Beweismaterial ergeben, das bei Zellendurchsuchungen in hessischen Strafanstalten in den vergangenen Wochen sichergestellt worden sei. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte die rechtsextreme "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige" (HNG) im September 2011 verboten. Die HNG hatte rund 600 Mitglieder und das erklärte Ziel, inhaftierten Rechtsextremisten zu helfen.

Die Organisation soll außer mit dem NSU-Umfeld auch mit Rechtsextremen in anderen Gefängnissen regen Kontakt gehabt haben. Dabei lief die Kommunikation offenbar weitgehend über Briefe und versteckte Botschaften im Kleinanzeigenteil scheinbar unverdächtiger Magazine. Die Neonazis hätten Codes und Symbole benutzt, die offenbar selbst für Experten nur schwer als "rechtsradikal" zu erkennen seien. Innerhalb der Haftanstalten baute der Verein den Angaben zufolge streng hierarchische Organisationsstrukturen auf.

Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn kündigte eine lückenlose Aufklärung der Vorgänge an. "Wir wollen Fehler von Sicherheitsbehörden im Zusammenhang mit den Straftaten des NSU nicht im Strafvollzug wiederholen", sagte der FDP-Politiker. Polizei und Verfassungsschutz hatten sich während der NSU-Mordserie und bei den anschließenden Ermittlungen zahlreiche Pannen geleistet. Die Aufarbeitung dauert auch heute noch an.