Nach dem Fund von Überresten eines seit rund zwei Monaten vermissten Mannes aus Berlin gibt es Hinweise auf Kannibalismus. Das sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Als Ermittler die Wohnung des Verdächtigen durchsuchten, hätten sie „einschlägige Werkzeuge“ wie etwa Messer und Sägen sowie Blutspuren gefunden, zitierte bild.de den Staatsanwaltschaftssprecher am Freitag, 20. November, weiter.
Der Verdächtigte lebte in einer Wohnung im Berliner Stadtteil Pankow und ist Lehrer für Mathe und Chemie von Beruf. Wie der Tagesspiegel unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, soll der Mann an einer Sekundarschule in Pankow als Lehrer gearbeitet haben. Laut bz-berlin.de stellten Ermittler im Arbeitszimmer des Verdächtigen auch eine Kühltruhe sicher, an der sich Blutspuren befanden.
Der Tatverdächtige kam in Untersuchungshaft. Der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft wollte sich zu weiteren Einzelheiten aus den Ermittlungen nicht äußern. Ein Richter hatte am Donnerstag, 19. November, einen Haftbefehl wegen Sexualmordes aus niedrigen Beweggründen gegen den 41-jährigen Deutschen erlassen.

Medien: Kannibale von Pankow lernte Opfer im Internet kennen

Laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) soll der verdächtige Lehrer in einschlägigen Foren unterwegs gewesen sein. Der mutmaßliche Täter habe im Internet zu Kannibalismus recherchiert und sich auch auf einer Dating-Plattformen bewegt, wo er auch zum Opfer Kontakt gehabt habe, bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft laut bz-berlin.de.
Auf die Spur des Verdächtigen seien die Ermittler unter anderem durch den Hinweis eines Taxifahrers gekommen. Dieser habe Angaben zum letzten Zielort des Vermissten machen können. Die Tat sei ans Licht gekommen, nachdem Spaziergänger mit Hund am 8. November Knochenteile an einem Waldstück im Pankower Ortsteil Berlin-Buchholz gefunden hatten, berichtete der Tagesspiegel weiter.
Laut bild.de wurde ein „fleischloser Beinknochen“ vom Opfer gefunden. Es sind Überreste eines seit dem 5. September 2020 vermissten 44 Jahre alten Deutschen. Die Mordkommission der Berliner Polizei ermittelt wegen eines Verbrechens. Sie geht demnach nicht davon aus, dass die Tat einvernehmlich geschah.

Polizei: Opfer des Kannibalen stammt aus Berlin-Lichtenberg

Der Mann aus Berlin-Lichtenberg war nach Angaben der Polizei Monteur im Hochleitungsbau. Er hatte seine Wohngemeinschaft kurz vor Mitternacht verlassen und war zunächst spurlos verschwunden, wie es in einer Mitteilung vom Oktober hieß. Ermittlungen der Mordkommission und der Staatsanwaltschaft, bei denen unter anderem Personen- und Leichenspürhunde eingesetzt wurden, führten später zu dem 41-Jährigen aus Berlin-Pankow, der nun wegen Verdachts des Sexualmords in Haft sitzt.
In dessen Wohnung fanden Polizisten laut einem Ermittler auch „25 Kilo des Reinigungsmittels Natriumhydroxid, einem Ätznatron, das zum Auflösen menschlichen Gewebes geeignet ist“, wie bild.de weiter berichtete.

Fall in Berlin erinnert an Kannibalen von Rotenburg im Jahr 2000

Als spektakuläres Verbrechen in Deutschland war der Fall des Kannibalen von Rotenburg aus dem Jahr 2000 bekannt geworden. Der Täter hatte sein späteres Opfer über eine Kontaktanzeige in einem Internet-Forum kennengelernt. Das Landgericht Frankfurt verurteilte den Mörder im Jahr 2006 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.
Wie kann es zu solchen Taten kommen? Dass ein Mensch einen anderen umbringe, um ihn dann aufzuessen, sei extrem selten, sagt der Kriminalpsychologe Rudolf Egg, vormals Leiter der Kriminologischen Zentralstelle des Bundes und der Länder in Wiesbaden. „Als Fantasie kann das häufiger sein, aber dass Kannibalismus tatsächlich vollendet wird, kommt fast nicht vor“, sagt Egg.
Die Faszination des Bösen sei Menschen aber nicht fremd. Manche freuten sich an Prügelszenen, andere an Hinrichtungen. Und wieder andere gingen eben in Richtung Kannibalismus. Sexueller Kannibalismus sei dabei eine besondere Form der Sexualität. „Der körperliche Akt lässt sich als die Vereinigung zweier Körper beschreiben. Sie werden eins“, sagt Egg. Das sei natürlich nur eine geringe und kurzzeitige Vereinigung. Der Kriminalpsychologe: „Aber zu Ende gedacht wäre es, wenn man einen Menschen vollständig in sich aufnehmen könnte.“

Kriminal-Psychologe: Kannibalismus ist Form der Sexualität

Beim Kannibalismus gehe es um das Aufessen als Zeichen der Sexualität, erläutert Egg. Und es gebe sexuellen Sadismus, also die Freude daran, jemanden zu quälen. „Das sind beides sexuelle Abweichungen, die weit von der Norm entfernt sind.“ Kannibalismus liege an einem sehr bizarren Ende einer solchen Abweichung.
Natürlich sei es hochgradig gestört, jemanden umzubringen und aufzuessen, sagt der Kriminalpsychologe. Das könne eine homosexuelle Ebene haben, aber es gebe auch heterosexuellen Kannibalismus. Neben dem sexuellen sei ritueller Kannibalismus bekannt, sagt Egg. Das habe es zum Beispiel bei Ureinwohnern gegeben, die die Seele eines Verstorbenen in sich aufnehmen wollten, indem sie sein Gehirn verspeisten. „Es waren also religiöse Motive.“
Das Christentum kennt laut Egg diese Idee auch: den Leib Christi in sich aufzunehmen als größten Beweis der Liebe – als symbolischer Akt. Und es gebe Not-Kannibalismus, in dem es beim Essen des Fleischs von Verstorbenen ums eigene Überleben gehe. Bekannt geworden sei das zum Beispiel nach einem Flugzeugabsturz.