14. Februar 2012, 00:00 Uhr

Waffenstillstand im Taxi-Krieg

Tarife für den Flughafen Willy Brandt verärgern die Berliner / Kunden müssen mehr zahlen

Berlin/Potsdam Der Taxistreit um den neuen Großflughafen ist vorerst beigelegt. Nach zähen Gesprächen haben die Berliner Behörden und die Kreisverwaltung von Dahme-Spreewald einen vorläufigen Kompromiss gefunden. Leidtragende sind die Kunden – sie zahlen für die Fahrten nach Berlin mehr.

Dahme-Spreewald hat einen der höchsten Taxi-Tarife in Deutschland. Foto: dpa Foto: dpa
Wenn es nach Wolfgang Schmidt (SPD), dem Wirtschaftsdezernenten des Landkreises Dahme-Spreewald gegangen wäre, würde mit der Eröffnung des Flughafens Willy Brandt ein einfaches, transparentes und auch preislich kundenfreundliches Tarifsystem den Taxifahrern seines Kreises, aber auch den Berliner Kollegen, das Leben erleichtern. Er kennt solch ein System beispielsweise aus New York. Dort gibt es einen Einheitspreis für alle Fahren in den Stadtteil Manhattan – 45 Dollar übrigens für die gut 24 Kilometer – spottbillig vergleichsweise, selbst wenn man die deutlich günstigeren Kraftstoffpreise berücksichtigt. Aber Berlin ist eben eine ganz eigene Weltstadt und ihr neuer Flughafen liegt bekanntlich in Brandenburg.

Schmidt, der im Landratsamt in Lübben sitzt, ist mit seiner Vorstellung sehr schnell an den Tücken des deutschen Personenbeförderungsrechts gescheitert. Es bleibt bei den kompliziert errechneten Fahrpreisen, und es bleibt damit auch beim gesplitteten Tarif – je nachdem, wo die Fahrt beginnt.

Als Konsequenz ist eine Fahrt aus Berlin zum Flughafen billiger als die gleiche Wegstrecke, wenn der Startpunkt in Schönefeld liegt. Denn Dahme-Spreewald hat einen der höchsten Taxi-Tarife in Deutschland – der Kilometer kostet im Durchschnitt mehr als in Berlin. Schmidt sagt, nach dem inzwischen jahrelangen Streit könne er mit dem Kompromiss leben.

Die auch im Vergleich zu den anderen Brandenburger Landkreisen sehr hohen Tarife von Dahme-Spreewald sind gerettet. Das Brandenburger Taxigewerbe rund um Schönefeld wird einen deutlichen Aufschwung nehmen.

Berliner Taxifahrer dagegen machen massiv Stimmung gegen die Regelung, obwohl sie dadurch ebenfalls gewinnen. Sie müssen nicht länger den Brandenburger Kollegen Vortritt lassen, und sie können bei der Rückfahrt ebenfalls mehr kassieren. Wer allerdings nachfragt, hört schnell eine Schimpfkanonade auf „diese Brandenburger“, die angeblich das Geschäft kaputtmachen. Was die Taxi-Zunft betrifft, so ist die Verlagerung des Flugverkehrs ins Nachbarland vorerst atmosphärisch gescheitert. Die wahren Gründe für die Verstimmung liegen allerdings nicht im Tarifstreit und auch nicht daran, dass demnächst 400 Taxen aus Brandenburg in Berlin Fahrgäste aufnehmen können. Das Berliner Taxigewerbe ist – wie in Brandenburg auch – schwer gebeutelt durch die massiv gestiegen Kosten. Bisher war der stadtnahe Flughafen Tegel eine relativ sichere Einnahmequelle. Denn der preisliche Unterschied zwischen einem Busticket und einer Taxifahrt war nicht all zu groß. Tegel hat keine direkte Anbindung an irgendein Schienensystem und die Busse waren zumeist deutlich langsamer als die Taxen.

In Zukunft aber wird es selbst für Familien attraktiv, die öffentlichen Nahverkehrsmittel zu nutzen. Die dürften in aller Regel auch schneller zum Ziel führen. Es steht also zu befürchten, dass das Umsatzvolumen für das Gewerbe insgesamt schrumpft. Und dieses zurückgehende Geschäft muss dann auch noch mit den Brandenburgern geteilt werden.

Der Umzug zum Flughafen Willy Brandt ist eben auch ein Abschied von den lieb gewordenen Vorteilen des alten West-Berlins und ein weiterer Schritt hin zu einer gemeinsamen Wirtschaftsregion. Da die aber kein politisches Fundament hat, ist weiterer Streit programmiert.
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Erstellt am: 14. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 14. Februar 2012, 03:18 Uhr
Autor: Von Johann Legner

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