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Brandenburg

Von Kronprinzen und Kaisern

Kaiser Wilhelm, Kronprinz Rudolph und Otto von Bismarck sind nicht nur bekannte Personen der deutschen und der österreichischen Geschichte – nach ihnen sind auch Apfelsorten benannt. Die Obstbauern Claudia Schernus und Thomas Bröcker wollen Kernobst-Sorten aus Omas Zeiten vor dem Aussterben bewahren und haben deshalb in Frankfurt (Oder) einen ganz besonderen Schaugarten mit 150 Sorten angelegt.

23.09.2006
Drei Bäumchen von jeder Sorte stehen dort in Reih und Glied, viele davon brechen fast unter der Last der Früchte. Die meisten, hellgelb, knallrot oder violett gefärbt, sind zum Anbeißen schön. Allerdings ist nicht jeder Apfel sofort ein Genuss. Der „weiße Winterkavill“ etwa, zu Kaisers Zeiten sehr teuer gehandelt, wird relativ spät geerntet und schmeckt erst im neuen Jahr. Dann aber, so schwärmt Schernus, würden Äpfel dieser Sorte mit einem Himbeer-Aroma geschmacklich überraschen.
Besucher des Frankfurter Obstgartens dürfen auch kosten, was eine teilweise einmalige Gelegenheit ist. Zwar sind etwa 2500 Apfelsorten in Deutschland bekannt, jedoch nur acht bis zehn werden tatsächlich in Läden und Supermärkten verkauft. Das liegt nach Angaben der Obstbauern vor allem an den europaweit angepassten Normen. Die Vorschriften gelten sowohl in Bezug auf die Farbgebung, als auch für Größe und Festigkeit. „75 Millimeter Durchmesser sollte ein handelsüblicher Apfel mindestens haben, aber auch nicht mehr als 90 Millimeter“, erklärt Bröcker.
Das „böhmische Hähnchen“ fiele da sofort durch das Raster – die roten Früchte dieser Sorte sind kaum größer als ein Tischtennisball. Aber auch der „Bismarck“ hätte keine Chance – dieser Apfel lässt sich mit einer Hand kaum umfassen.
Ein weiteres Kriterium für den kommerziellen Handel ist die Lagerfähigkeit; und damit ist es nach Erfahrungen von Schernus und Bröcker bei den alten Sorten nicht weit her. „Wir hatten einen kommerziellen Handel mit der Goldparmäne und dem Grafensteiner versucht – und sind gescheitert, weil die Früchte zu schnell mehlig werden“, bedauert Schernus. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten will sie es dennoch wieder mit einer alten Apfelsorte versuchen.
Der „Apfel vom Hedwigsberg“ soll ein regionaler Verkaufsschlager werden. Handelt es sich doch dabei nach Überzeugung der beiden Obstbauern um eine ursprünglich Frankfurter Sorte – der Hedwigsberg liegt heute mitten im Stadtteil Neuberesinchen. Die Früchte sind sehr groß, die Schale lockt mit knallroten Backen, das Fruchtfleisch erweist sich als ausgesprochen knackig, Säure- und Zuckergehalt sind ausgewogen.
Bröckers Leidenschaft für Äpfel begann vor 19 Jahren. Für die Lehrlingsausbildung der VEG Obstproduktion Frankfurt-Markendorf legte er einen Sortengarten an und begab sich auf die Suche nach alten Sorten. Mit der Wende kümmerte sich niemand mehr um den einzigartigen Genpool, der zusehends verwilderte.
Bröcker rettete „die Früchte meiner Arbeit“, grub die Bäumchen aus und nahm sie mit. Sein Ziel war es immer, die alten Sorten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So entstand vor vier Jahren die Idee eines Schaugartens, in dem Platz für 200 verschiedene Apfelsorten ist. Nur noch in Schrebergärten aus Omas Zeiten oder an alten Obstbaum-Alleen wird Bröcker bei seiner Suche noch fündig. Dort nimmt er Reiser als genetisches Material mit, um herkömmliche Apfelbäumchen anschließend damit zu veredeln.
Die Zeit drängt den ungewöhnlichen Sammler, denn immer mehr botanische Raritäten werden heute einfach abgeholzt.
Von Bernd Kluge
 
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