Verkehrsbetriebe sehen Straßenbahnnetze in Gefahr
Unterfinanzierung beklagt / Landesregierung verweist auf gleichbleibenden Mittelfluss im Jahr 2012
Cottbus/Potsdam Brandenburgische Verkehrsbetriebe fordern von Bund und Land eine bessere finanzielle Unterstützung des Straßenbahnverkehrs. Geplante Streichungen von Bundesmitteln würden in den kommenden Jahren die Instandhaltung und den Ausbau der Straßenbahnnetze gefährden, sagte der Geschäftsführer der Landesgruppe Ost des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Werner Faber, am Dienstag in Potsdam.
Wirrwarr der Geldströme
Das Wirrwarr der Geldströme, mit denen in der Bundesrepublik der öffentliche Personennahverkehr finanziert wird, ist selbst für Experten nur noch schwer durchschaubar. In genau dieser Undurchsichtigkeit liegt aus Sicht der Geschäftsführer der kommunalen Verkehrsbetriebe die Gefahr. Es könnte in ein, zwei Jahren ganz schlimm kommen, sagen sie. Denn derzeit fließen die Mittel noch etwa in dem bisherigen Umfang. Fünf Millionen erhalten die Straßenbahnen des Landes für Investitionsmaßnahmen, weitere sieben Millionen werden für solche Schnittstellen zwischen öffentlichen Verkehrssystemen und dem Individualverkehr wie beispielsweise Park-and-Ride-Anlagen ausgegeben, und zehn Millionen fließen pauschal an die Städte und Landkreise.
Der Adressat der Forderungen, der brandenburgische Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) verweist darauf, dass im Jahr 2012 keine Kürzungen bevorstünden und er auch im nächsten Jahr das aus der Bundeskasse kommende Geld zweckgebunden für die Verbesserung des Nahverkehrsangebots einsetzten könne. Was danach kommt, so Vogelsänger, hänge vor allem von den Verhandlungen mit der Bundesregierung ab. Und auf Nachfrage sagt Vogelsänger dann auch, dass manches natürlich auch davon bestimmt werde, wie innerhalb Brandenburgs die Mittel verteilt werden. Denn da hat Finanzminister Helmuth Markov (Linke) ein gehöriges Wort mitzureden.
Wenn ab 2014 keine neuen Schulden aufgenommen werden sollen, muss Vogelsänger nach weiteren Einsparmöglichkeiten suchen. Es sei allerdings keineswegs so, dass damit automatisch auch die Gelder für Straßenbahnen zusammengestrichen würden. Er müsse nach der derzeitigen Beschlusslage 2014 weitere 60 Millionen einsparen – wo dies genau geschehe, sei noch nicht entschieden. Er weiß derzeit auch noch nicht, ob wie bisher insgesamt 95 Millionen aus der Bundeskasse bereitstehen. Denn mit Hinweis auf die Absprachen bei der letzten Mehrwertsteuererhöhung will sich der Bund Schritt für Schritt zurückziehen. 2019 soll nach der bisherigen Finanzplanung ganz Schluss sein, und das Land müsste dann einspringen. Schließlich nehme, so die Argumentation in Berlin, der brandenburgische Finanzminister durch einen zusätzlichen Mehrwertsteuerpunkt weit mehr Geld ein, als bislang vom Bund für Verkehrsprojekte bezahlt worden sei.
Investitionen in Gefahr
Die Verkehrsunternehmen verweisen ihrerseits darauf, dass aus den Kommunalhaushalten die dringend benötigten Investitionen nicht zu finanzieren seien und die derzeit noch bereitstehenden fünf Millionen keinesfalls ausreichten. Man kämpfe gerne mit Vogelsänger zusammen für weitere Bundeszuschüsse, sagt Jörg Reincke, Geschäftsführer bei Cottbusverkehr. Er will mehr Geld beispielsweise für eine bessere Erschließung des Hauptbahnhofs der Stadt. Und er hat, wie seine Kollegen in Potsdam und Brandenburg, eine ganze Liste von weiteren Projekten, die den öffentlichen Nahverkehr in den drei Städten für Kunden attraktiver machen würde, für die aber kein Geld mehr da sei. Frank Wruck, der verantwortlich ist für das O-Bus-Netz in Eberswalde sagt, dass er mehr Geld für die notwendige Anpassung an die energiepolitischen Zielvorstellungen braucht. Erst auf beharrliche Nachfrage sagen die Geschäftsführer dann noch, was die unausweichliche Konsequenz wäre, sollten die vom Land bereitgestellten Mittel zurückgehen. Dann müssten die Fahrgäste über höhere Preise einspringen.

Jüngste Kommentare (6)
Googeln gibt Antworten
von Cottbus-Fan
Die Straßenbahn-Problem hat nichts mit der EU zu tun. Eher mit der Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Ländern. Die wurde 2006 beschlossen und heißt Förderalismusreform 1. Brandenburg bekommt seit dem Mehrwertsteueranteile für Busse und Bahnen - aber gibt sie für andere schöne Dinge des Lebens aus. Etwas in Bundestagspapieren googeln, dann steigt man schnell dahinter, wer hier versagt.
die Politik in Deutschland ist krank
von snowman28
jeden Tag ein neues Beispiel von Aktionismus und Dummheit. Erst will man dem ÖPNV den Geldhahn zudrehen und einen Tag später dann dem Individualverkehr. -siehe LR-Artikel- Ich schlage vor,lasst uns doch auf Kamelen reiten, ökologisch korrekt. Das heuchlerische Umwelt-und Öko Gezeter geht einem langsam gehörig auf den Sack. Ich hoffe, dass sich die ganze blöde EU-Bürokratie eines Tages selber abschafft, denn sie ist flüßiger als Wasser: überflüssig
...
von markz
ihr beitrag wirft auch keinen weitergehenden gewinn ab und kann weg!
...
von ----
Antwort auf folgenden Beitrag von markz am 01.02.2012 15:53 Uhr
genau wie Ihrer. Passt ja.
Weg damit!
von ----
Wenn die Straßenbahn gewinn abwirft muss sie weg.Ist eh viel zu laut.
kein
von ----
Antwort auf folgenden Beitrag von ---- am 01.02.2012 14:19 Uhr
Ich mein natürlich kein Gewinn abwirft