St. Marienthals Nonnen klagen vor Gericht – Streit um mehr Einfluss
Schwestern fordern ausgewogenere Besetzung des Stiftungsrates für Begegnungszentrum / Kritiker verweisen auf externen Sachverstand
Ostritz Das Kloster St. Marienthal im Osten Sachsens hat sich nach 1990 immer mehr geöffnet. Inzwischen fürchten die Nonnen zu starken weltlichen Einfluss – und zogen vor Gericht.
Das IBZ besteht seit 1992. Mit Millionenaufwand hat die Einrichtung 16 ungenutzte Gebäude sanieren und umbauen lassen. Gästezimmer mit knapp 150 Betten, Seminarräume und Mensa entstanden in zuvor baulich desolaten Gemäuern. Der Stiftungsrat begleitet die Aktivitäten auf dem Klostergelände als Kontroll- und Entscheidungsorgan. Sieben Mitglieder gehören dem Gremium an, darunter die Äbtissin von St. Marienthal sowie ein Vertreter des Zisterzienserordens. Im vergangenen Jahr lief die Amtszeit für mehrere Ratsposten ab – und seitdem ist der Frieden gestört.
„Ein einmaliger Affront“
Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, erfuhr auf einer Sitzung im Juni 2011, dass seine Wiederberufung nicht beabsichtigt sei, ebenso wie die des Görlitzer CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Kretschmer sowie von Bernd-Dietmar Kammerschen, Direktor der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt. „Ein einmaliger Affront gegen Personen, die sehr viel für St. Marienthal getan haben“, findet Brickwedde. Die Stiftung etwa, der er vorsteht, habe sich seit 20 Jahren in dem 1234 gegründeten Kloster engagiert.
Die Schwestern erkennen Beschlüsse einer Sitzung vom August 2011 nicht an, die drei Stiftungsratsmitglieder unabhängig von der Äbtissin einberufen hatten. Brickwedde und Kretschmer waren dabei als Mitglieder bestätigt worden, offensichtlich gegen die Stimmen der Zisterzienser. „Die Situation ist belastend“, offenbart die Priorin der Abtei, Schwester Elisabeth Vaterodt. Allerdings: „Die Äbtissin darf nicht ignoriert werden.“ Die Richter sollen Klarheit schaffen.
Nonnen wollen drei Posten
Die Nonnen wollen eine ausgewogenere Besetzung des Stiftungsrates erreichen. Mindestens drei Posten sollten mit kirchlichen Vertretern besetzt sein, sagt Schwester Elisabeth. Es gehe nicht um Macht, ebenso wenig um einzelne Personen. „Wir sind nicht undankbar“, versichert die Priorin. Entscheidenden Einfluss auf dem eigenem Gelände wolle die Abtei jedoch behalten. Brickwedde ist unterdessen überzeugt, dass im Stiftungsrat für das IBZ ganz unterschiedlicher Sachverstand gefragt sei, etwa in Bildungs- und Finanzfragen. „Wer das aufgibt, gefährdet die wirtschaftliche Existenz der Stiftung.“
Die Bundesstiftung Umwelt hat nach eigenen Angaben etwa fünf Millionen Euro seit 1992 bereitgestellt, damit das Begegnungszentrum in St. Marienthal Gebäude für Bildungszwecke sanieren konnte. Die Abtei selbst erhielt darüber hinaus eine Million Euro, die unter anderem in die Wasserkraftanlage und Fotovoltaik investiert wurden. Nach dem verheerenden Hochwasser vom August 2010 habe die Umweltstiftung erneut eine Million Euro für das schwer getroffene Kloster bewilligt.
In der Klausur an der Neiße leben derzeit 14 Nonnen und eine Novizin. Mit Gerichtsverfahren sind sie unerfahren, räumt Schwester Elisabeth ein. Sie hofft, dass es danach friedlich weitergeht. „Wir möchten nichts lieber als das.“
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Erstellt am: 07. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 07. Februar 2012, 16:23 Uhr
Autor: Anett Böttger

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