Magie schlägt Souveränität
Warum die Lausitzerin Lara Löser nur beinahe den Vorlesewettbewerb gewinnt
Brandenburg Ein Punkt hat Lara Löser aus Finsterwalde (Elbe-Elster) zum Sieg gefehlt. Bei Kindern und Eltern schürt der Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels Emotionen. Was den besten Vorleser ausmacht, war beim Landesfinale am Samstag in Brandenburg an der Havel allerdings unklar.
Die fünf Juroren – darunter Kinderbuchautorin Martina Dierks, Brandenburgs Vorjahressiegerin Charlotte Wertz sowie Vertreter vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, vom pädagogischen Boedecker-Kreis und der „Märkischen Allgemeinen“ – ergreifen reihum das Wort. Sie loben Laras „Souveränität“ des Vortrags und eine besondere „Magie“ in Almas Stimme. Dagegen kommen Saskia Fillinger aus Großräschen (Oberspreewald-Lausitz) und die drei weiteren Teilnehmer nicht in die engere Wahl, obwohl auch sie lebendig und verständlich gelesen haben. Ein wichtiger Grund: Alle vier haben mit verstellten Stimmen gesprochen, mal lässig, mal pampig, mal furchtsam, mal böse – je nachdem, wer im Buch gerade redet. Dieser rollenspielhafte Stil gefällt den Juroren nicht so gut wie die in ihren Augen „natürlichere“ Leseweise von Lara und Alma. „Weniger ist oft mehr“, sagt Martina Dierks.
Die Juroren einigen sich nach wenigen Minuten auf die „magische“ Alma als Siegerin. Weil auf der Bewertungsliste für „Lesetechnik“, „Textgestaltung“ und „Textverständnis“ das Kriterium „Magie“ jedoch nicht eingetragen ist, geben sie Alma stattdessen einen Extrapunkt für ihre Textauswahl. Die junge Potsdamerin hat das literarisch anspruchsvollste Buch ausgesucht. Sie gewinnt mit 112 zu 111 Punkten und wird für Brandenburg im Juni in Frankfurt am Main ins Bundesfinale einziehen.
Während sich die Jury im Bibliothekscafé berät, warten die Teilnehmer und ihre Familien im benachbarten Rathaus auf das Ergebnis. Seit mehr als fünfzig Jahren wird der Vorlesewettbewerb ausgetragen. Jedes Jahr machen bundesweit über 700 000 Sechstklässler mit. Lara Löser, Saskia Fillinger und ihre Mitbewerber haben sich über Vorausscheide in Schulen, Kreisen sowie den Bezirken Brandenburg Süd-West und Nord-Ost in das Landesfinale gekämpft. Drei der Mädchen tragen festlich geflochtene Zöpfe.
Nun kommt die Jury zurück. Martina Dierks lässt die Finalisten vortreten und ruft Alma Becker zur Siegerin aus. Wie die Wahl zustande kam, erklärt sie nicht. Im Publikum wird geraunt und getuschelt. Manche Zuschauer sind mit dem Ergebnis einverstanden, andere nicht.
„Die Bewertungsmaßstäbe sollten bekannt gegeben werden“, sagt Saskias Mutter Heike Fillinger später. Als man Familie Löser berichtet, dass Lara um ein Haar gewonnen hätte, nimmt die Mutter ihre Tochter stolz in den Arm.
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Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 23. Mai 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 23. Mai 2011, 02:32 Uhr
Autor: Von Felix Johannes Enzian

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