Linke Stadtverordnete distanzieren sich von Neskovic
Cottbus In einem Leserbrief an die RUNDSCHAU haben sich die beiden Cottbuser Stadtverordneten der Linken, Dieter Sperling und Peter Süßmilch, bei den Wählern dafür entschuldigt, dass sie für den Bundestagsabgeordneten Wolfgang Neskovic Wahlkampf gemacht haben. Das Schreiben, das sich auf ein Neskovic-Interview in der RUNDSCHAU vom 30. Dezember 2010 bezieht, hat folgenden Wortlaut:
Es gibt Dinge im Leben, da braucht man einige Zeit bis man sie verdaut hat und reagieren kann. So ging es uns mit den Äußerungen von Herrn Neskovic in der „Lausitzer Rundschau“ zur Energiepolitik der Landesregierung.
Er sagt, daß die Braunkohlenverstromung keine Zukunft hat. Als Beweis bringt er „Jeder weiß das“. Fakten hört man von ihm dazu nicht. Fehlendes energiewirtschaftliches Wissen wird durch ignorante Ideologie ersetzt.
Das erinnert uns fatal an die 11. Tagung des ZK der SED 1965, das wegen der Maßregelung von Künstlern als „Kulturplenum“ in die DDR-Geschichte einging. Bei der heutigen Betrachtung dieses Plenums geht unter, daß hier illusionäre wirtschaftspolitische Entscheidungen getroffen wurden, die die DDR in eine schwere Krise führte.
Unter anderem wurde entgegen allen Warnungen von Fachwissenschaftlern der Ausstieg aus der Braunkohle zugunsten von Erdöl beschlossen. Wenige Jahre später lehrten die Realitäten, daß diese Politik nicht haltbar ist und mit Milliarden Mark Investitionen mußte die Braunkohlenindustrie wieder in Gang gebracht werden.
Die geschichtliche Lehre: Der Wechsel in einem Energiemix zu Lasten eines Primärenergieträgers kann erst dann erfolgen, wenn eine technisch und ökonomisch überzeugende Alternative vorhanden ist. Bewährte Entwicklungspfade gibt man nicht leichtfertig auf. Aus diesem Grunde bleibt auf einige Jahrzehnte die Braunkohlenverstromung eine unverzichtbare Brückentechnologie zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit mit Energie.
Es zeigte sich drastisch, daß energiewirtschaftliche Entscheidungen aufgrund ihrer langfristigen Auswirkungen sachlicher Analysen bedürfen. Ideologische Wunschträume sind da fehl am Platz. Das lehrt uns die DDR-Geschichte, Herr Neskovic.
Eine zweite makabre Parallele zur SED tut sich uns hier aus unseren Lebenserfahrungen auf. Dort wo strammen Parteiapparatschiks die Argumente fehlten, wurde die Parteidisziplin, die einzig wahre Ideologie, beschworen. Wer sich dem nicht beugte, wurde diffamiert als Handlanger des Klassengegners und landete vor der Parteikontrollkommission. Das war realer Stalinismus, wie wir ihn hautnah erlebt haben.
So verfährt Herr Neskovic heute nach unserem Empfinden, wenn er Genossen Christoffers unterstellt, daß ihm die Bilanzen und Gewinne der Unternehmen mehr am Herzen liegen als die Interessen der Menschen. Das ist eine ungeheuerliche Unterstellung. Und auch wir stellen immer wieder fest, daß, wenn wir vor Ort auf Ideologie mit Fakten reagieren wollen, prompt die diffamierende Frage gestellt wird, wer uns denn bezahlt. Das ist unerträglich und sollte der Vergangenheit zugehören.
Herr Neskovic erweist sich als Kämpfer für eine imaginäre Ideologie, nicht aber als Interessenvertreter der Region. Wir entschuldigen uns bei den Wählern, daß wir beide für ihn aktiv im Wahlkampf tätig waren.
Dieter Sperling und Peter Süßmilch (Mitglieder der Fraktion DIE LINKE SVV Cottbus)
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Erstellt am: 25. Januar 2011, 17:14 Uhr
Geändert am: 26. Januar 2011, 10:44 Uhr
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