27. Mai 2010, 11:01 Uhr

Hochwasser an der Oder erreicht den Höchststand

 Video Ratzdorf Das Hochwasser an der Oder in Brandenburg nähert sich seinem Höhepunkt. Der Flutscheitel wird für Donnerstagabend erwartet. Seit Mittwochabend gilt – früher als erwartet – für den südlichen Abschnitt des Flusses die höchste Alarmstufe 4, bei der Deiche und Dämme überflutet werden können - im Tagesverlauf sollte möglicherweise Frankfurt (Oder) folgen.

Hochwasseralarm an der Oder
Blick aus einem Flugzeug flussabwärts auf den deutsch-polnischen Grenzfluss Oder, der zwischen den Städten Frankfurt (Oder) (l) und dem polnischen Slubice (r) fließt und am Mittwoch (26.05.2010) bereits weit über die Ufer getreten ist. Die Ausrufung der höchsten Alarmstufe 4 wird in den nächsten Stunden erwartet. Besonders für Slubice in Polen ist die Gefahr groß, weil Teile der Stadt unterhalb des Oder-Wasserstandes liegen. Foto: Patrick Pleul dpa/lbn +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)
„Wir sind aber gut vorbereitet“, sagte er am Donnerstagmorgen der stellvertretende Sprecher des Potsdamer Innenministeriums, Wolfgang Brandt. Die Pegelstände klettern derweil weiter. Am frühen Morgen wurde in Ratzdorf (Oder-Spree) eine Höhe von 6,14 Meter erreicht, in Eisenhüttenstadt waren es 6,27 Meter. Beim Jahrhunderthochwasser 1997 wurden in Ratzdorf 6,91 Meter gemessen.

Frankfurt (oder) liegt noch weit darunter, am Morgen waren es hier 5,20 Meter. Das Hochwasserzentrum schlug aber vor, dort für Teile der Oder die Alarmstufe III auszurufen – dann sind regelmäßige Beobachtungen der Schutzanlagen Pflicht.

Das Wasser steige mittlerweile langsamer als im Laufe des Mittwochs, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Ingo Decker. Derzeit seien es zwei Zentimeter pro Stunde. Bisher hielten alle Deiche dem Druck stand. Für Donnerstag kündigten mehrere prominente Landespolitiker ihren Besuch am Fluss an, darunter Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), der seinen Urlaub wegen des Hochwassers abbrach.

Der Landkreis Oder-Spree teilte mit, mehr als 100 Deichläufer kontrollierten rund um die Uhr die Oder-Deiche. Sie sollen beschädigte Stellen melden, um sie umgehend zu reparieren. Außerdem stünden etwa 150 Mann der Brandschutzeinheiten bereit. Sie füllten bereits Sandsäcke und verstärkten am Mittwochabend den Deich an der Neuzeller Niederung. Zwei je fünf Kilometer lange Deichabschnitte in der Neuzeller Niederung sowie zwischen Gartz und Friedrichsthal gelten als Schwachstellen.

Hochwasseralarm an der Oder
Blick aus einem Flugzeug auf den deutsch-polnischen Grenzfluss Oder im brandenburgischen Ratzdorf (Oder-Spree) am Mittwoch (26.05.2010). An diesem Ort fließt die Neiße in die Oder. Am Pegel in Ratzdorf wurde am Nachmittag ein Wasserstand von 5,83 Metern gemessen - kurz vor der höchsten Alarmstufe 4. Foto: Patrick Pleul dpa/lbn +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)
Brandenburgs Innenminister Rainer Speer (SPD) hofft, dass die Deiche an der Oder dem Hochwasser standhalten. Es bestehe die Hoffnung, dass die Flutwelle auch im besonders gefährdeten Ratzdorf (Kreis Oder-Spree) unterhalb der Oberkante der Deiche bleibe, sagte er am Donnerstagmorgen im Inforadio des RBB. Seit Mittwoch koordiniert Speer die Arbeit der Hochwasser- Einsatzkräfte von Frankfurt (Oder) aus. Wie lange das Hochwasser an Oder und Neiße anhalten könne, sei aber noch nicht abzusehen. Da es aber in Polen nicht mehr regne, werde es deutlich kürzer sein als bei der Jahrhundertflut 1997, sagte Speer.

Umweltministerin Anita Tack (Linke) will sich am Donnerstag am Pegel Ratzdorf über die Lage informieren. Besonders schwierig ist die Lage in Frankfurts polnischer Nachbarstadt Slubice mit zahlreichen tief liegenden Stadtteilen. Das örtliche Krankenhaus musste geräumt werden. Für Frankfurt (Oder) und den Kreis Märkisch-Oderland galt zunächst noch die Alarmstufe 2, die mit verstärkten Kontrollen verbunden ist.

In Polen geht das Wasser weiter zurück. Nach Angaben der Regierung besteht nirgends mehr die Gefahr, dass der Fluss über die Ufer trete. Wachsamkeit sei aber nach wie vor gefragt, weil die extrem lange Flutwelle die Dämme geschwächt habe. In Warschau gab Stadtpräsidentin Hanna Gronkiewicz-Waltz gesperrte Straßen und geschlossene Schulen und Kindergärten wieder frei. Wegen Seuchengefahr gilt für den Fluss allerdings ein Badeverbot.

Mittlerweile geht es aber auch um die Folgen und die Hilfe für Betroffene – Regierungschef Donald Tusk hatte am Mittwoch in Lanckorona, wo nach Erdrutschen rund 70 Häuser einsturzgefährdet sind, versprochen, „ganze Siedlungen“ wieder aufzubauen. Die Regierung will Hilfen in Höhe von zwei Milliarden Zloty (500 Millionen Euro) für die Flutopfer auszahlen. Menschen, die ihre Häuser verloren haben, werden mit 20 000 bis 100 000 Zloty unterstützt.

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Erstellt am: 27. Mai 2010, 11:01 Uhr
Geändert am: 27. Mai 2010, 18:37 Uhr
Autor: dpa/boc

dpa/boc

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