10. Juni 2010, 00:00 Uhr

Gentechnisch verunreinigter Mais alarmiert Umweltverbände

Ministerin AnitaTack will einvernehmliche Lösung

Potsdam Umweltverbände und Imker schlagen Alarm. Denn inzwischen steht fest: In Brandenburg ist trotz EU-weiten Anbauverbots gentechnisch verunreinigter Mais des Unternehmens Pioneer ausgesät worden.

Zumindest einer von drei Betrieben, die mit kontaminierten Ware beliefert wurden, hat die mit verändertem Erbgut belasteten Körner ausgebracht. Von zwei Betrieben hat das brandenburgische Verbraucherschutzministerium noch keine Rückmeldung. Das bestätigte der für Gentechnik zuständige Referatsleiter, Peter Rudolph, am Mittwoch der RUNDSCHAU. Die Pflanzen sollen als Brennmaterial für eine Biogasanlage dienen.

In der Regel wird Mais von Mitte April bis Anfang Mai ausgesät. Wegen des schlechten Wetters in den vergangenen Monaten dürfte sich dieser Termin allerdings nach hinten verschoben haben, heißt es. Umweltministerin Anita Tack (Linke) sagte: »Wir wollen gemeinsam mit den betroffenen Landwirten eine einvernehmliche Lösung finden, zum Beispiel einen freiwilligen Umbruch vor der Maisblüte.« Das müsste vor Juli geschehen, dann nämlich fängt der Mais zu blühen an.

»Sobald der Pollenflug einsetzt, wird die Kontamination nahezu unkontrollierbar. Die konventionelle und biologische Landwirtschaft, aber auch Betroffene wie die Imker müssen dringend geschützt werden«, forderte die BUND-Gentechnikexpertin Heike Moldenhauer. »Die Länder sind gesetzlich gezwungen, den Mais zu vernichten.« Wolf-Dieter Feldkamp, Vorsitzender des Imkerverbandes Mecklenburg-Vorpommern, warnte, über die Futterversorgung der Bienenvölker gelange der genveränderte Maispollen auch in den Honig. Die Imker fürchten wirtschaftliche Nachteile, weil sie Gen-belasteten Honig als solchen kennzeichnen müssten.

Sollte es keine Einigung mit den Landwirten geben, wird das Ministerium aller Voraussicht nachdie Felder umbrechen lassen. Neben Brandenburg sind Niedersachsen, Bayern, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen betroffen.

In Brandenburg ist nach Berechnungen des Umweltministeriums eine Fläche von 75 Hektar betroffen. Das Saatgut war zu 0,1 Prozent verunreinigt. Falls alle bislang bekannten Lieferungen auch gesät worden sind, dürften grob gerechnet 6000 gentechnisch veränderte Maispflanzen im Land stehen. Derzeit prüfen die Behörden der betroffenen Länder Lieferlisten von Zwischenhändlern. Referatsleiter Rudolph zufolge können daher weitere Fälle bekannt werden. »Saatgut wird auch zwischen den Agrarbetrieben gehandelt. Es können also täglich weitere Fälle hinzukommen.«. Einer der drei betroffenen Betriebe hat das Saatgut von einem Zwischenhändler in Schleswig-Holstein bezogen.

Auslöser für die Aussaat war eine Informationspanne im niedersächsischen Agrarministerium.
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Erstellt am: 10. Juni 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 10. Juni 2010, 02:32 Uhr
Autor: Von Alexander Fröhlich

Von Alexander Fröhlich

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