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Brandenburg

Forstchefs nach Kritik gefeuert

Nach heftiger Kritik an der umstrittenen Forstreform hat Agrarminister Dietmar Woidke (SPD) die Forstamts-
chefs von Peitz (Spree-Neiße) und Belzig (Potsdam-Mittelmark) suspendiert. Sie sollen ihre Ansichten auf Kopfbögen der Landesregierung formuliert und die Briefe an Waldbesitzer verschickt haben (die RUNDSCHAU berichtete). Die brandenburgische Grünen-Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm sprach von einer unerträglichen Disziplinierungspolitik.
09.03.2007
Forstchefs nach Kritik gefeuert
Kritik an der Forstreform auf amtlichen Briefbögen – Siegfried Lüdecke.Konsequenzen als Dienstherr gezogen – Agrarminister Dietmar Woidke.
Bis Mittwoch war Siegfried Lüdecke verantwortlich für die Hege, Pflege und Bewirtschaftung von rund 93 000 Hektar Wald zwischen Forst, Lieberose und Spremberg. Jetzt sitzt er zu Hause, weil ihn sein Dienstherr, Forstminister Woidke, suspendiert hat. Der Peitzer Amtschef soll in einem Brief Waldbesitzer der Region aufgefordert haben, bei Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) gegen die Forstreform massiv zu protestieren. Und das auf einem offiziellen Kopfbogen der Landesregierung. Waldbesitzer folgten der Aufforderung, schrieben an das im Brief genannte Bürgerbüro von Platzeck und äußerten ihr Unverständnis über den vom Kabinett gebilligten Abbau von weiteren 1100 Arbeitsplätzen bis zum Jahre 2015. Dann platzte die Bombe. Lüdecke und sein Amtskollege Olaf Magritz vom Forstamt Belzig (Potsdam-Mittelmark), der ebenfalls einen solchen Brief in Umlauf brachte, mussten Hals über Kopf ihre Chefsessel räumen.
Siegfried Lüdecke wollte sich gestern zu den Vorgängen und zu der Frage, ob er Absender des Briefes war, nicht äußern. «Es ist ein laufendes Verfahren. Ich kann dazu nichts sagen» , so der gefeuerte Peitzer Forstchef zur RUNDSCHAU.
Die brandenburgische Grünen-Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm attackierte die Suspendierung der beiden aufmüpfigen hochrangigen Forstbeamten durch Minister Woidke als «Dis zi plinierungspolitik» , die «unerträglich und paranoid» sei. Der Aufbau stabiler, an den Klimawandel angepasster Wälder werde immer notwendiger, erklärte Behm. «Das ist mit immer weniger Personal nicht zu bewältigen» , fügte sie hinzu.
Dies sehen offensichtlich auch die beiden jetzt vom Dienst befreiten Forstbeamten aus Peitz und Belzig so. Immer weniger Revier- und Oberförster würden den Waldbesitzern im Territorium zur Verfügung stehen. Die bereits jetzt schlecht versorgte Holzindustrie könne nicht mit höheren Lieferungen aus Brandenburgs Wäldern rechnen, Arbeitsplätze auch bei forstlichen Lohnunternehmen seien in Gefahr, heißt es in dem Brief an die Waldbesitzer, der der RUNDSCHAU vorliegt. Hintergrund ist die Abschaffung des Zuschusses des Landes an der Waldbewirtschaftung bis zum Jahr 2014 sowie die Senkung der Zuzahlungen für alle anderen Forstbereiche bis 2015 um jährlich 2,5 Prozent.
Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade verteidigte die Suspendierung der beiden leitenden Forstangestellten. Der Vorgang werde jetzt genau untersucht. Kritik der Gewerkschaften und Forstverbände sei legitim, die könne aber ebenso wenig auf Briefen mit dem Logo des Landes verbreitet werden wie private Meinungen. Zudem seien Beamte ihrem Dienstherrn zu besonderer Loyalität verpflichtet, so Schade.
Der Waldbesitzerverband Brandenburgs kommentierte die Suspendierung der beiden kritischen Förster nicht. Marion Krause, Geschäftsführerin der Interessenvertretung der privaten Waldbesitzer, befürchtet jedoch, dass die massiven personellen und finanziellen Einsparungen zu Verschlechterungen bei der Waldbetreuung, etwa bei der Schädlingsbekämpfung oder dem Brandschutz, der Ausbildung des Forstnachwuchses und bei der Durchsetzung des Waldgesetzes etwa zur Verhinderung von Holzdiebstahl, führen. «Eine Reform, bei der es nur um die Einsparung von Geld geht, verdient diese Bezeichnung nicht» , so Krause.
André Jander, Vorsitzender des Landesverbandes Brandenburg/Berlin im Bund Deutscher Forstleute, räumte ein, dass die Verwendung des Briefkopfes mit dem Landeslogo für den Protest möglicherweise «nicht ganz korrekt» war. Die Mehrheit der Beschäftigten aber teile die darin geäußerte Kritik der Suspendierten. Den vom Kabinett beschlossenen Abbau von weiteren 1100 Stellen bezeichnete er als «Kuhhandel» . Es gehe nur um Zahlen, Konzepte gebe es nicht, kritisierte er die Landesregierung.
Von Wolfgang Swat
 
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