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Brandenburg

Erst Gedenksteinschändung, dann Provokation

Das eigentliche Ziel war am 9. November vergangenen Jahres misslungen. Eine hohes Polizeiaufgebot hatte verhindert, dass mehrere Dutzend rechtsgerichtete Jugendliche in Frankfurt (Oder) die offizielle Kranzniederlegung am jüdischen Gedenkstein direkt störten.
11.01.2007

Nach dem Ende der Kundgebung war das Mahnmal in der Frankfurter Innenstadt, das an den Standort der früheren jüdischen Synagoge erinnert, jedoch unbeaufsichtigt – die Polizei begleitete zu der Zeit den Gedenkmarsch. Mehrere Jugendliche rissen die gerade abgelegten Kränze und Blumengebinde vom Denkmal, zertrampelten Kerzen, einer von ihnen urinierte auf den Stein des Gedenkens. Die unglaubliche Schändung machte bundesweit Schlagzeilen.
Fünf rechte Jugendliche sind für die Gedenkstein-Schändung gestern vor dem Frankfurter Amtsgericht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen worden. Drei junge Männer im Alter zwischen 15 und 19 Jahren erhielten wegen Volksverhetzung und Störung der Totenruhe Jugendstrafen zwischen neun Monaten sowie einem Jahr und zwei Monaten, die zu jeweils drei Jahren auf Bewährung unter Aufsicht eines Bewährungshelfers ausgesetzt wurden. Das Gericht stellte bei ihnen zudem „schädliche Neigungen“ fest, wodurch nicht ausgeschlossen sei, dass sie weitere Straftaten begehen würden. Zwei 14 sowie 16 Jahre alte Mädchen, beides Schülerinnen der Frankfurter Sportschule, wurden verwarnt. Alle fünf müssen zudem eine erhebliche Anzahl Stunden gemeinnütziger Arbeit ableisten.
Vor Gericht machte das angeklagte Quintett keinen Hehl aus seiner rechten Gesinnung. Die 16-Jährige und ein 15-Jähriger erschienen in Sweatshirts mit der Aufschrift der von Rechten bevorzugten Marke „Thor Steinar“ – für die übrigen Prozessbeteiligten bereits die blanke Provokation. Aus den vollbesetzten Zuschauerreihen mit Sympathiebekundungen unterstützt, und unter den wachsamen Augen von NPD-Mitgliedern im Publikum schaukelten sie lässig in den Sesseln hinter der Anklagebank, sich ein Grinsen oftmals nur mühsam verkneifend.
Schon am Tag zuvor hatte sich in der Gruppe herumgesprochen, dass da am 9. November eine „Judenveranstaltung“ stattfinden sollte, eine gute Gelegenheit um Linke zu verprügeln, wie mehrere Angeklagte unumwunden zugaben. Mit der Gedenksteinschändung habe man schließlich zeigen wollen, „dass wir von den Juden nichts halten“, erklärte die 16-Jährige, die gemeinsam mit ihrer 14-jährigen Cousine als erste begonnen hatte, auf dem Gedenkstein herumzuspringen und Blumengebinde mit den Füßen herunterzuschleudern. „Das hatten die Jungs uns gar nicht zugetraut, machten dann aber mit“, ergänzte die Jüngste im Bunde stolz.
Von Jeanette Bederke
 
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