Dokumentation über Cottbuser Stasi-Knast
Nach Streit und Verzögerungen kann Projekt jetzt anlaufen
Potsdam
Wissenschaftler aus Potsdam und Berlin erforschen die Geschichte des Cottbuser Stasi-Knastes. Nach längerem Streit zwischen dem brandenburgischen Forschungsministerium und der Universität Potsdam soll das Projekt endlich starten. Denn erst jetzt sind die bereits im Herbst 2009 angeordneten Gelder verfügbar.
Doch die monatelangen Verzögerungen könnten schwerwiegende Folgen für die Finanzierung der geplanten Gedenkstätte nach sich ziehen. Das deutete der Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin, Professor Klaus Schroeder, an. Bereits im Frühjahr wollten Wissenschafter gemeinsam mit dem Manfred Görtemaker, Professor für Geschichte an der Universität Potsdam, loslegen. Nun sind die Mittel nach Angaben des Ministeriums und der Uni Potsdam frei.
Doch die Zeit drängt, die Forscher sind in Verzug, denn sie sollen das Cottbuser Menschenrechtszentrum bei einem Förderantrag an den Bund für den Ausbau der Gedenkstätte unterstützen. Die Frist läuft im September aus, im November entscheidet eine Kommission darüber. Auch das Land beteiligt sich an den Kosten mit Geldern aus dem früheren SED-Vermögen.
»Es besteht die Gefahr, dass das mit dem Antrag beim Kulturstaatsminister nichts wird«, sagte Schroeder der RUNDSCHAU. »Bei mir ist auch noch nichts aus Potsdam angekommen, ich habe noch kein Schreiben, dass unser Projekt jetzt läuft«, so Schroeder, der auch Mitglied der Enquete-Kommission des Landtags zum Umgang mit der SED-Diktatur in Brandenburg ist.
Das länderübergreifende Projekt geht zurück auf eine Entscheidung der früheren Kulturministerin Johanna Wanka (CDU). Nach einem ersten Gutachten zum Cottbuser Gefängnis erteilte Wanka im Oktober 2009, also kurz nach dem Entschluss für rot-rote Koalitionsverhandlungen und gegen eine Koalition von CDU und SPD, die Zusage für insgesamt 300 000 Euro. Münch bekräftigt zu Jahresbeginn in Cottbus das Vorhaben.
Doch bei der Universität Potsdam tat sich lange nichts. Eine Kooperationsvereinbarung und die Gelder lagen monatelang auf Eis. Für Schroeder ist das zumindest Anlass für Mutmaßungen, dass an der Potsdamer Universität »Kräfte wirksam sind, die das bewusst verzögert haben«, aus »geschichtspolitischen« Gründen etwa. Immerhin gehen von den Mitteln 200 000 Euro nach Berlin und 100 000 an die Universität Potsdam. Das Projekt soll drei Jahre laufen.
Die Universität Potsdam weist die Vorwürfe zurück und beruft sich auf einen Streit mit dem Wissenschaftsressort um die Finanzierung der Hochschule. Demnach habe das Ministerium den Universitäten im Frühjahr angekündigt, die im Vorjahr von den Einrichtungen eingesparten Mittel wegen der desolaten Haushaltslage nun einkassieren zu wollen. Erst jetzt habe das Ministerium dies aber mit konkreten Zahlen unterlegt. »Aus diesem Grund war es nicht zu verantworten, das Geld auszugeben«, erklärte ein Sprecher der Universität.
Schroeder dagegen wundert sich, warum es überhaupt 20 Jahre nach der Wende dauerte, bis die Geschichte des Gefängnisses erforscht wird. »Wir wollen detailliert belegen, was dort vor sich ging«, sagte Klaus Schroeder. Binnen drei Jahren sollen alle Unterlagen gesichtet und Zeitzeugengespräche geleistet sein. »Es kann sein, dass in Cottbus mehr politische Häftlinge untergebracht waren als anderswo in der DDR«, sagte Schroeder.
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