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Brandenburg

Die Silhouette bleibt

Berlin Ihr verwittertes, angegriffenes Aussehen ist Programm, doch selbst eine Ruine muss irgendwann einmal überholt werden. Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, das Wahrzeichen vom Westteil Berlins, soll ab diesem Sommer eingerüstet werden, damit Restauratoren und Steinmetze den Bau von innen und außen überarbeiten können.

30.07.2010
Feiernde Fußballfans vor der Gedächtniskirche, die hinter Gerüsten und Planen verschwinden wird. Foto: dpa
Rund 4,2 Millionen Euro wird die Sanierung schätzungsweise kosten.

Ende des 19. Jahrhunderts ließ Kaiser Wilhelm II. die Kirche zu Ehren seines Großvaters, Kaiser Wilhelm I., errichten. 1895 wurde sie eingeweiht und vor dem Krieg von den Berlinern als »Kino-Kirche« verspottet, weil sie umringt war von den neuen Lichtspielhäusern im Westteil der Stadt. 1943 beschädigten Bomben sie schwer, doch die Berliner Behörden ließen sie nicht ganz abreißen, sondern nutzten den zerstückelten Bau als Mahnmal gegen den Krieg und für den erfolgreichen Wiederaufbau der Stadt.

So fand die Kirche mit neuem Symbolcharakter Einzug in die Reiseführer. Ihre Höhe wurde stets mit 68 Metern angegeben - ein Fehler, wie sich jetzt herausstellte. »Der Turm ist 71 Meter hoch, das haben Messungen mit einem Laser ergeben«, sagt Pfarrer Martin Germer. In zweieinhalb Jahren haben es die Kirchenleute geschafft, mit Benefizkonzerten, Kabarett, Theater und anderen Veranstaltungen 1,2 Millionen Euro zusammenzutrommeln.

Rund 1000 Personen übernahmen Patenschaften für jeweils eine Fuge im Turm, die überarbeitet werden muss. Sie zahlten zwischen 100 und 5000 Euro und erhielten eine Urkunde mit dem Planquadrat, das mit ihrem Geld nun saniert wird. Weitere Fugen warten auf Paten. »Wir haben noch 6000 Meter Fugen ringsum den Turm zu vergeben«, sagt Germer. Die Fugen sind Teil der Tuffstein-Verkleidung, die rund um die Konstruktion aus Mauerstein angelegt wurde. Weil der Turm oben offen ist, rechnet der Gemeindepfarrer auch mit Schädigungen im Innern.

Wie groß die Schäden sind und was tatsächlich ausgebessert werden muss, sehen die Fachleute, wenn das Gerüst steht. Zwischen Ende August und Ende November soll es errichtet werden. Im Winter werden die Experten dann Gesteinsproben entnehmen und analysieren, um die Sanierung im Detail planen zu können. Im Frühjahr kommenden Jahres werden die Arbeiten beginnen.


Von Mechthild Henneke
 
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