14. Oktober 2010, 00:00 Uhr

Bergbausanierung im Seenland teilweise gestoppt

Suche nach Unglücksursachen läuft auf Hochtouren / Touristiker bleiben gelassen

Hoyerswerda Die Ursache des Erdrutsches nahe des Ortes Bergen (Kreis Bautzen) am Dienstag ist nach wie vor unklar. Laut sächsischem Oberbergamt werden die Ergebnisse erst in einigen Wochen vorliegen. Nun stellt sich die Frage, wie es mit den Arbeiten im Seenland weitergeht.

Eine Sprengung am nahe gelegenen Sabrodter See könnte die Rutschung mit verursacht haben.
Was ist genau passiert?
Das sächsische Oberbergamt kann die Frage noch nicht beantworten. Laut Sprecher Peter Horler gibt es mehrere Faktoren, die zusammengespielt haben könnten. Denkbar sei, dass die Sprengungen am nahe gelegenen Sabrodter See als Impuls für die Rutschung gedient haben. Dazu kommt, dass aufsteigendes Grundwasser Bodenschichten in der Tiefe so verflüssigt haben könnte, dass die untere Schicht weggespült wurde und die obere eingebrochen ist. Das betroffene Areal ist laut Oberbergamt etwa 110 Hektar groß. Eine Überfliegung soll weitere Ergebnisse liefern.

Sind Rutschungen bei der Bergbausanierung normal?
Ja. Laut Oberbergamt können solche Ereignisse immer wieder bei der Sanierung passieren. Jedoch hatte laut Peter Horler im Fall Spreetal niemand mit einer Rutschung in dieser Dimension gerechnet. Erst Mitte September dieses Jahres hatte es während der Sanierung des Tagebaus Greifenhain (Altdöberner See) an der Westböschung ein Setzungsfließen gegeben. Es entsteht, wenn Wasser Sand mit gleichmäßiger Körnung sättigt und damit langsam verflüssigt. Bei der Rutschung bei Altdöbern waren laut Schätzungen des Bergbausanierers Lausitzer- und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) bis zu 130 000 Kubikmeter Erdreich betroffen.

Sind alle früheren Tagebau-Flächen rutschungsgefährdet?
Wie Peter Horler vom sächsischen Oberbergamt betont, besteht bei gewachsenem Boden keine Rutschungsgefahr. Gefährdet seien vor allem Kippenflächen. Oftmals entstehen Rutschungen während der Verdichtungsarbeiten von Kippen. Diese Flächen seien jedoch gesperrt und nicht öffentlich zugänglich.

Wann gehen die Arbeiten im Bereich des früheren Tagebaus Spreetal weiter?
Das ist noch unklar. Wie Volker Krause, Pressesprecher beim Bergbausanierer LMBV, am Mittwochnachmittag betonte, ruhen die Arbeiten in diesem Bereich des Sanierungsgebiets völlig. Die LMBV habe den Bereich hinter den Orten Bergen und Klein Seidewinkel großräumig gesperrt. Von dem Baustopp betroffen ist auch der Überleiter 1 vom Spreetaler See zum Sabrodter See. Dort hatten erst vor wenigen Tagen die offiziellen Arbeiten für den bislang östlichsten und insgesamt längsten Überleiter im Lausitzer Seenland begonnen. Am Spreetaler See soll das Jetbootzentrum angesiedelt werden, das zurzeit noch am Geierswalder See beheimatet ist.

Könnte es einen längerfristigen Baustopp für den Überleiter 1 geben?

Das schließt Peter Horler vom sächsischen Oberbergamt aus, weil diese Flächen nicht von der Rutschung betroffen sind.

Muss das Lausitzer Seenland durch die bundesweite Berichterstattung der Rutschung um ihr Image als angehende Urlaubsregion fürchten?
Stefan Korb, Geschäftsbesorger des Zweckverbands Lausitzer Seenland Sachsen (LSS), befürchtet keinen Imageverlust: »Die Leute, die am Lausitzer Seenland interessiert sind, werden auch bleiben.« Sie beschäftigten sich intensiv mit der Region und wüssten um die Gefahren in unsanierten Bergbau-Gebieten. »Deshalb lotsen wir Investoren auch nur in Bereiche mit gewachsenem Boden«, so Stefan Korb. Er bezeichnet die große Rutschung im früheren Tagebau Spreetal als »bedauerlich«, betont jedoch, dass dies erneut zeige, dass es wichtig ist, dort für Sicherheit zu sorgen, wo frühere Lausitzer Bergbauflächen noch nicht saniert sind.
Erdrutsch in der Lausitz
Bilderstrecke Hoyerswerda | 13.10.2010
Riesiger Erdrutsch im ehemaligen Tagebau Spreetal
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Erstellt am: 14. Oktober 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 22. Februar 2011, 11:48 Uhr
Autor: Von Sascha Klein

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