Bahn: Brandsätze sollen Chaos stiften
Pendler sind Leidtragende / Keine Gefahr für Reisende / Parteien streiten über Bewertung
Brandsätze müssen entschärft werden. Züge fallen aus. Der RE 2 zwischen Cottbus und Rathenow ist betroffen. Reisende sind frustriert und haben Angst. Bahnsprecher Gisbert Gahler versichert allerdings, dass Anschläge auf Signalanlagen keine Gefahr für Reisende bringen.
Grund dafür ist eine Serie von Brandanschlägen durch Linksextremisten, die die Hauptstadt lahmzulegen versuchen. So hatten auch am Mittwoch wieder Bahnmitarbeiter mehrere Brandsätze an Gleisen entdeckt. Spezialisten der Polizei konnten die Sprengsätze entschärfen, einer soll explodiert sein. Möglicherweise verhinderte das Regenwetter weitere Zündungen. Verletzt wurde niemand. Die Polizei geht von linksextremistischen Tätern aus. Gefasst werden konnte bislang keiner. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verurteilte die versuchten Anschläge.
Neben den Zeitverzögerungen, die auch Pendler aus der Lausitz in Kauf nehmen mussten, wächst die Angst bei den Reisenden. Doch Bahnsprecher Gisbert Gahler ordnet gegenüber der RUNDSCHAU die Gefährlichkeit der bisher versuchten Anschläge ein: „Es gibt zurzeit keine Gefahr für Bahnreisende.“ Gahler begründet seine Aussage damit, dass mit den Brandsätzen Signalanlagen beschädigt werden sollen, um Chaos zu stiften. Beim Ausfall von Weichen oder Signalen würde ein Sicherheitssystem greifen, dass Züge stoppen und erst weiterfahren lassen würde, wenn die Gefahr beseitigt sei. „Verspätungen sind damit natürlich verbunden.“
Diese Einschätzung bestätigt auch der Fahrgastverband Pro Bahn. Reisende müssten sich keine Sorgen machen. „Es wurde kein Brandsatz genau unter einem Zug gezündet“, sagte Verbandsvorsitzender Karl-Peter Naumann.
Unterdessen ist ein politischer Streit über die Bewertung der Vorfälle ausgebrochen. Während CDU-Politiker am Mittwoch vor einem neuen „Linksterrorismus“ warnten, wandten sich Grüne und Linke gegen Vergleiche mit den RAF-Aktionen der 1970er-Jahre.
Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) erklärte in einem Zeitungsinterview: „Der Linksextremismus eskaliert zum Linksterrorismus.“ Die jüngsten Anschlagsversuche auf Bahnanlagen seien keine Zufallstaten. „Das ist eine weitere Verschärfung im Rahmen einer ganzen Kette linksextremistischer Anschläge.“
Grünen-Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck nannte die Täter „einen losen, wirren Haufen von Chaoten“. Er sehe weder Hinweise auf eine verfestigte Organisationsstruktur noch auf einen ideologischen Unterbau. Warnungen vor einem neuen Linksterrorismus und Vergleiche mit den Aktionen der Rote Armee Fraktion (RAF) seien nicht angemessen.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zog demgegenüber Parallelen zu den RAF-Aktionen in den 70er-Jahren. „Auch der RAF-Terror begann mit Brandanschlägen“, sagte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut.
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Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 13. Oktober 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 13. Oktober 2011, 02:36 Uhr
Autor: Von Christian Taubert

Jüngste Kommentare (2)
Schon erschreckend
von Altanschliesser
welch widerliches Gesindel da wieder aus der Gosse gekrochen ist. Aber der Staat ist selbst schuld daran mit seiner Kuscheljustiz, selbst wenn einer erwischt wird hat er kaum eine Strafe zu befürchten, da wird diesen Verbrechern eine schlechte Kindheit attestiert und werden dann zu 100 h gemeinnütziger Artbeit verurteilt.
Karl-Peter Naumann Fahrgastverband Pro Bahn: "Reisende müssten sich keine Sorgen machen"
von Reisender
Im Herunterspielen von gefährlichen Tatsachen gegen Wirtschaftsunternehmen ist man in diesem Land, wahrscheinlich Weltspitze. Es muß wohl erst kommen wie in Spanien das vollbesetzte Pendlerzüge in die Luft fliegen bevor man Änschlage bei der Bahn richtig ernst nimmt. Kabelklau an Bahntrassen ist eine Sache, Brandanschläge eine andere. Beides jedoch hat Potential Menschenleben zugefährden.