Cottbuser Unternehmer : "Im Irak lässt sich gut Geld verdienen"
Anschläge, Entführungen, Chaos – der Irak ist ein gefährliches Pflaster. Es gibt eine offizielle Reisewarnung der Bundesregierung. Und doch sind seit Kurzem auch andere Töne aus Berlin zu hören. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte ihr besonderes Interesse am Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen, Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) reiste gerade erst mit Unternehmern in den Irak. Mit dabei war der Cottbuser Lutz Stache, Vorstandsvorsitzender von AHG Industry. Die RUNDSCHAU sprach mit dem Chef einer Firmengruppe, die unter anderem auf Baustoff-Herstellung spezialisiert ist.
Herr Stache, wie kam es dazu, dass Sie Minister Glos in den Irak begleitet haben?
Unser Unternehmen ist dort bereits seit anderthalb Jahren präsent und mit mehreren Firmen, die wir erworben oder gegründet haben, erfolgreich im Geschäft. Zudem bin ich Mitglied der Deutsch-Irakischen Wirtschaftskommission. Die ist vor einigen Wochen erstmals seit 1987 wieder zusammengekommen. Wir Unternehmer sind Minister Glos dankbar, dass er geholfen hat, die Tür zum Irak zu öffnen. Denn hier lässt sich gut Geld verdienen.
Was produzieren Sie im Irak?
Zum Beispiel Zement in einer Fabrik etwa 15 Kilometer südlich von Kirkuk. Sie hat mehr als 1000 Beschäftigte. Es wird unheimlich viel gebaut in Städten wie Kirkuk oder Erbil, und somit können wir die große Nachfrage nicht decken.
Das klingt beeindruckend. Dennoch: Agiert die Bundesregierung nicht höchst widersprüchlich. Die Anstrengungen für intensivere Wirtschaftskontakte stehen doch im krassen Gegensatz zur offiziellen Reisewarnung. Haben Sie keine Angst vor Anschlägen oder Entführungen?
Nein, meine Geschäftspartner beziehungsweise deren Sicherheitsleute passen sehr gut auf unsere deutsche Geschäftsführung und ausländische Spezialisten und somit auch auf mich auf. Seit ich – mindestens einmal im Monat – in den Irak fliege, bin ich noch nicht einmal in eine brenzlige Situation gekommen. Die Reisewarnung für den ganzen Irak ist meiner Ansicht nach nicht mehr notwendig. In großen Teilen herrscht seit Jahren Ruhe. Richtig kritisch ist es fast nur in und um Bagdad und Mossul.
Und wie geht es Ihrer Frau, wenn Sie im Irak unterwegs sind?
Sie hat schon Angst und ist immer froh, wenn ich wieder wohlbehalten zu Hause angekommen bin. Ich würde auch niemandem raten, einfach so, aus Abenteuerlust, durch das Land zu fahren. Dass Kriminelle mit Kidnapping Geld zu erpressen versuchen, ist nicht auszuschließen. Aber wer seriöse Partner hat, braucht nichts zu befürchten.
Ohne Bodyguards sind Sie also nicht unterwegs?
Das kommt auf die Gegend an, im Norden braucht man eigentlich keine Bodyguards, aber in den Gebieten, wo erst seit Monaten Ruhe ist, schon. Die Berglandschaften im Norden, im Kurdengebiet, sind wunderschön und die Menschen sehr gastfreundlich. Wenn Familien zum Beispiel – wie üblich – vor ihrem Haus am Straßenrand grillen, wird man als Fremder überaus herzlich dazugebeten.
Nach dem Glos-Besuch wurde spekuliert, der Minister habe die deutsche Botschaft in Bagdad wegen erheblicher Sicherheitsbedenken nicht besuchen können. War das so?
Da ich dabei war, kann ich sagen: Er hatte einfach nicht genügend Zeit.
Irakische Spitzenpolitiker betonen immer wieder, dass sie Deutschland schätzen und darauf hoffen, dass sich mehr Firmen als bisher am Wiederaufbau ihres Landes beteiligen. Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen?
Ja. Deutsche Produkte, Korrektheit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Diplomatie stehen hier hoch im Kurs. Zudem haben viele Spitzenleute aus Politik und Wirtschaft noch gute Erinnerungen an ihre Studienjahre in Deutschland. Nicht vergessen darf man auch die guten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Irak vor dem Krieg.
Haben Sie schon persönliche Freundschaften im Irak geschlossen?
Ja. Es waren auch schon Minister in Cottbus und im Spreewald zu Gast.
Würden Sie Namen nennen?
Nein, diese Menschen sind froh, wenn sie sich mit ihren Familien mal frei bewegen können, nicht erkannt werden und Zeit für Ihre Familie haben.
Verübeln es die Iraker uns Deutschen eigentlich, dass wir uns nicht am militärischen Sturz von Saddam Hussein beteiligt haben?
Nein, eher im Gegenteil. Im Einmarsch der Amerikaner sehen vor allem einfache irakische Männer und Frauen die Ursache für all das Elend und Chaos, unter dem sie jetzt leiden müssen. So bitter das ist, den meisten einfachen Menschen, mit denen ich gesprochen habe, ging es in der Saddam-Ära besser.
Die Amerikaner werden jetzt ganz sicher für ihren langjährigen Einsatz – wie auch immer man im Irak darüber denken mag – Gegenleistungen erwarten, sprich eine angemessene Beteiligung von US-Firmen an Wiederaufbauprojekten.
Das kann sein, aber die irakische Regierung wird bestimmt keine amerikanischen Firmen bevorzugen. Und es gibt noch viel mehr Interessenten. Die Hotels im Landesnorden sind voll mit potenziellen Investoren, die in den Startlöchern sitzen. Mit seinen reichen Bodenschätzen wie Öl, Uran, Schwefel und Phosphor ist der Irak als Wirtschaftsraum höchst attraktiv. Dazu kommt, dass weder Mehrwertsteuer noch Gewerbesteuer erhoben wird.
Welche Prognose wagen Sie für die Entwicklung des Irak?
Ich denke, dass es die verschiedenen Volksgruppen gemeinsam schaffen werden, das Land voranzubringen. Dafür sehe ich aktuelle Indizien. Die Sunniten wollen nach ihrem Boykott wieder in die Regierung von Nuri al-Maliki zurückgekehren. Oder sehen Sie unsere Zementfabrik bei Kirkuk: Hier arbeiten Menschen aller irakischen Volksgruppen, ja aller Weltreligionen zusammen – und das friedlich.
Erstellt am: 24. Juli 2008, 00:00 Uhr
Geändert am: 24. Juli 2008, 09:56 Uhr
Autor: Mit LUTZ STACHE sprach Verena Ufer

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