Cottbuser Menschenrechtszentrum hofft auf Förderung
Cottbus
Seit zwei Jahren bemüht sich eine Gruppe ehemaliger politischer Häftlinge darum, im alten Cottbuser Gefängnis einen Erinnerungsort einzurichten. Ein Gutachten soll nun die Grundlage für die Finanzierung schaffen.
Werben um Unterstützung: Dieter Dombrowski (l.) führt immer wieder Gäste durch das ehemalige Cottbuser Gefängnis. Foto: M. Behnke Foto: M. Behnke
Der Anfang ist bescheiden. Ein Büro und wenige Ausstellungsräume in einem kleinen Backsteinbau, der früher den offenen Vollzug des alten Cottbuser Gefängnisses beherbergte. Das Haus selbst ist halb unsaniert, halb Baustelle. Seit zwei Jahren bemühen sich ehemalige politische Gefangene, die zu DDR-Zeiten hier eingesperrt waren, um die Errichtung einer Gedenkstätte an diesem Ort. Ein Menschenrechtszentrum soll es werden, so das Ziel des Trägervereins um den Brandenburger CDU-Politiker Dieter Dombrowski.
Wegen versuchter „Republikflucht“ war er 1974/75 in Cottbus inhaftiert. Damit war er ein typischer Insasse der Cottbuser Anstalt: Menschen, die wegen Fluchtplänen oder –versuchen verurteilt und nach ein oder zwei Jahren in den Westen verkauft wurden. Einige von ihnen wollen am heutigen Donnerstag mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka (CDU), die das Menschenrechtszentrum besuchen, über ihre Hafterfahrung reden. Neumann soll dabei auch eine erste Datensammlung über die Geschichte des alten Cottbuser Gefängnisses in der Bautzener Straße übergeben werden. Die Cottbuser Ex-JVA aus der Luft betrachtet Foto: Menschenrechtszentrum
Ende September wird ein wissenschaftliches Gutachten dazu vorliegen, das vom Forschungsverbund SED-Staat der FU Berlin erstellt wird und die Rolle des Gefängnisses in der Nazizeit und in der DDR umfasst. Das Brandenburger Kulturministerium ist Auftraggeber und trägt die Kosten von 48 000 Euro dafür.
Foto: Sven Bock
Siegmar Faust vom Menschenrechtszentrum, wie Dombrowski ehemaliger politischer Häftling in Cottbus, arbeitet zurzeit an einem Konzept, mit dem sich der Verein um Geld aus einem neuen Förderprogramm des Kulturministeriums für die Gedenkstätten des Landes bewerben will. Für insgesamt etwa sechs Millionen Euro können bis Ende November Anträge abgegeben werden. „Cottbus wird durchaus wichtig genommen, deshalb steht es auch im Landeskonzept 'Geschichte vor Ort – Erinnerungskultur in Brandenburg'“, sagt Holger Drews, Pressesprecher von Ministerin Wanka. Bisher stehen dem Cottbuser Menschenrechtszentrum nur kleinere Spenden und Beiträge der rund 80 Vereinsmitglieder für die Arbeit zur Verfügung.
Foto: Sven Bock
Mit der ersten bereits vorliegenden Materialsammlung und dem in Kürze erwarteten FU-Gutachten wollen die Vereinsmitglieder um Dieter Dombrowski die Bedeutung der Cottbuser Haftanstalt deutlicher machen. Danach war das Cottbuser Gefängnis beginnend in den 60er-Jahren immer mehr zum „politischen“ Gefängnis ausgebaut worden, das ab den 70er-Jahren deutlich mehr politische als kriminelle Gefangene aufzuweisen hatte. Durchschnittlich 500 bis 800 Häftlinge, fast nur Männer, verbüßten hier ihre Strafen. Die Cottbuser Haftanstalt wurde dadurch zu einer wichtigen „Quelle“ beim Verkauf von politischen Gefangenen in die Bundesrepublik. Von 1963 bis 1989 bezahlte die Bundesrepublik für die Freilassung von 33 755 Häftlingen insgesamt 3,5 Milliarden D-Mark. Die meisten Freigekauften hätten eine Cottbuser Vorgeschichte, sagt Siegmar Faust vom Menschenrechtszentrum. „Bisher ist die Rolle von Cottbus im politischen Strafvollzug der DDR völlig unterbewertet worden“, fügt er hinzu.
Bilderstrecke
Cottbus | 26.08.2009
Eindrücke aus dem ehemaligen Cottbuser Gefängnis
Jüngste Kommentare
Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden