30. November 1999, 00:00 Uhr

Guttenbergs Wehrreform und Ratlosigkeit im Cottbuser Kreiswehrersatzamt

Cottbus Die Arä von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist beendet. Mit einem „Großen Zapfenstreich“ wird er am Abend in Berlin verabschiedet.

Doch in den 52 Kreiswehrersatzämtern herrscht Ratlosigkeit. Die Wehrpflicht ist abgeschafft. Wie es weitergeht, weiß niemand. Auch nicht in Cottbus.

Was für ein Tag in der Geschichte der Bundeswehr. In Berlin wird der über die Plagiatsaffäre gestolperte Bundesverteidigungsminister mit ihm zustehenden militärischen Ehren verabschiedet. Aus der Ferne schauen jene Bundeswehrbediensteten in die Röhre. Sie sollen die Guttenbergsche Reform umsetzten. Wie, das ist den 3800 Beamten und Angestellten in den Kreiswehrersatzämtern völlig schleierhaft. „In dieser Woche sollte ein Zwischenbericht des Staatssekretärs zur Reform vorliegen“, sagt der Leiter des Cottbuser Kreiswehrersatzamtes, Rüdiger Lorenz. „Davon hatten wir uns auch Signale erhofft, wie es hier weitergehen soll.“ Doch Walther Otremba ist vom neuen Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) in einer seiner ersten Amtshandlungen abgelöst worden. Kein Staatssekretär, kein Bericht, keine Antworten auf die vielen Fragen auch der in Cottbus tätigen 60 Bediensteten.

Reformen in der Bundeswehr hat auch Rüdiger Lorenz schon einige miterlebt. Aber Guttenberg habe mit der Abschaffung der Wehrpflicht ein echtes „heißes Eisen“ angepackt. Der Ansatz sei größer als je zuvor. Seit dem 1. Januar fällt die Musterung der Wehrpflichtigen weg – bisher war dies die Hauptaufgabe der Ämter. Deshalb haben sich die Cottbuser schon im alten Jahr hingesetzt und alle im ersten Quartal 2011 für die Musterung vorgesehenen jungen Leute angeschrieben. „Gekommen sind bisher etwa ein Drittel“, sagt Regierungsdirektor Lorenz. Immerhin hätten auch die Jugendlichen ihre Lebensplanung. So mancher hatte den Studienplatz oder die Lehre sausen lassen, um zunächst zur Bundeswehr zu gehen. Von den etwa 2000 Angeschriebenen von Märkisch-Oderland, über Frankfurt (Oder), Teltow-Fläming bis Elbe-Elster zehrt das Cottbuser Amt heute noch. „Pro Tag haben wir etwa 20 bis 30 Musterungen. Hinzu kommen bis zum ersten März 100 Freiwillige“, schildert Lorenz die Situation, die für die vier Musterungsärzte zurzeit nicht gerade in Schwerstarbeit ausartet. Die Aufgaben in der Reservistentätigkeit und der Wehrüberwachung kämen hinzu. „Trotzdem ist unter dem Strich deutlich weniger zu tun als vorher“, räumt der Amtsleiter ein.

Obwohl der Cottbuser Leiter des Kreiswehrersatzamtes mit dem Reformverlauf hadert, weil aus seiner Sicht eine Aussetzung der Wehrpflicht „zunächst völlig ausreichend gewesen wäre“, sieht er die Zukunft einer Freiwilligenarmee nicht so düster. Für Lorenz, der von 2003 bis 2007 fünf Auslandseinsätze absolviert hat, bleibt „die Bundeswehr nach wie vor ein attraktiver Arbeitgeber“. Er sagt aber auch, dass man jetzt in Konkurrenz zur freien Wirtschaft stehe. „Wer auch künftig gute Leute haben will, der muss die entsprechenden Anreize schaffen.“ Das betreffe natürlich den Verdienst. Aber auch Regelungen etwa für die Anrechnung des Wehrdienstes auf Wartezeiten zum Studium. Lorenz: „Bisher haben sich etwa ein Drittel der Grundwehrdienst leistenden für einen längeren Dienst bei der Bundeswehr entschieden. Jetzt müssen wir als Dienstleister für den Bund um diese Leute werben.“

Von Christian Taubert
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Erstellt am: 30. November 1999, 00:00 Uhr
Geändert am: 20. März 2012, 09:40 Uhr
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