13. Oktober 2010, 10:49 Uhr

Erste Kumpel in Chile aus Verlies unter Tage gerettet

San José Jubel, Erleichterung, Euphorie pur: Nach Wochen in ihrem unterirdischen Verließ sind die ersten der 33 in Chile verschütteten Bergleute gerettet worden. Als erster entstieg der 31-jährige Florencio Ávalos in der Nacht zu Mittwoch (Ortszeit) dem eisernen Rettungskäfig und wurde mit Jubel an der Erdoberfläche empfangen. Die Bergungsaktion lief zunächst reibungslos. Nicht nur bei den Angehörigen flossen die Tränen.

Manuel Gonzalez
Der Rettungsspezialist Manuel Gonzalez wird zu Beginn der Aktion in den Schacht hinabgelassen.
Rund 800 Angehörige und Freunde der Kumpel beobachteten vor Ort die spektakuläre Rettung, die von Medien in aller Welt live übertragen wurde.

“Das ist ein großes Glück, ich bin sehr glücklich“, sagte Ávalos' Vater Alfonso, als der Vorarbeiter nach fast zehn Wochen in der verschütteten Mine gesund der Rettungskapsel entstieg. Die wochenlange Anspannung und das Bangen der Angehörigen entlud sich in lautem Jubel, manche der Angehörigen brachen vor Erleichterung in Tränen aus.

“Unser erster Bergarbeiter ist bei uns“, verkündete Chiles Staatschef Sebastian Piñera sichtlich glücklich. Die Rettung sei „einmalig in der Geschichte der Menschheit“. Seit dem 5. August waren die 33 Kumpel in der verschütteten Gold- und Kupfermine in der Atacama-Wüste eingeschlossen, ihre Bergung ist die spektakulärste Rettungsaktion in der Geschichte des Bergbaus. Noch nie haben Menschen so lange unter Tage überlebt. Rund 2000 Journalisten berichteten von der Mine über die Rettung.



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Als zweiter Grubenarbeiter kehrte der 39-jährige Mario Sepúlveda an die Erdoberfläche zurück. Zunächst schloss er seine Frau Katty Valdivia in die Arme, dann sorgte der Elektriker für Heiterkeit, als er Gesteinsbrocken an die Einsatzkräfte und Staatschef Piñera verteilte, die er in der engen Rettungskapsel an die Erdoberfläche transportiert hatte. „Es lebe Chile, Scheiße!“, schrie Sepúlveda seine Freude heraus. Dann hüpfte er strahlend an den Rettungskräften vorbei und schüttelte ihnen die Hände.

Umarmung durch den Präsidenten
Präsident Pinera freut sich mit Bergmann Florencio Avalos über die geglückte Rettung.

Mit einem breiten Lächeln im Gesicht entstieg der 52-jährige Juan Illanes als dritter der Rettungskapsel. Im Anschluss erreichte der 23-jährige Bolivianer Carlos Mamani die Erdoberfläche. Er ist der einzige Nichtchilene unter den 33 Bergleuten. Der jüngste der Gruppe, der 19-jährige Jimmy Sánchez, unternahm als fünfter die 622 Meter lange Fahrt aus dem Schacht und wurde von seinem Vater begrüßt. Der sechste der 33 in Chile Verschütteten ist gerettet. Osman Araya, um die 30 Jahre alt, hatte erst seit vier Monaten in der Mine gearbeitet, als das Unglück geschah. Er war während der mehr als zwei Monate in der Tiefe zusammengebrochen. Araya kam am Mittwoch um 5.34 Uhr Ortszeit (10.34 Uhr MESZ) oben an. Er weinte und drückte seine Frau lange und fest.



Rettung der Bergarbeiter
Landkarte von StepMap StepMap Rettung der Bergarbeiter


Ursprünglich war pro Kumpel etwa eine Stunde für die Vorbereitungen und die Auffahrt veranschlagt worden. Da die Rettung jedoch zunächst wesentlich schneller verlief, keimten Hoffnungen auf, dass sie schneller zu einem guten Ende gebracht werden kann als zunächst angenommen. Nach ihrer Rettung dürfen die Bergarbeiter zunächst ihre Angehörige sehen, dann werden sie von Ärzten vor Ort untersucht und schließlich für einen ausführlichen Gesundheitscheck ins Krankenhaus geflogen.

Jubel
Die Freude ist grenzenlos, als Chiles Präsident Sebastian Pinera (M) und seine Frau Cecilia Morel (R) den Bergarbeiter Mario Sepulveda (L) begrüßen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) reagierte auf den erfolgreichen Beginn der Rettung mit Erleichterung. „Ganz Deutschland freut sich mit den Bergleuten und ihren Angehörigen“, erklärte Westerwelle am Mittwoch in Berlin. Glückwünsche kamen auch aus Washington. „Unsere Gedanken und Gebete sind bei den tapferen Bergleiten, ihren Familien und den Männern und Frauen, die so hart für ihre Rettung gearbeitet haben“, teilte US-Präsident Barack Obama mit.

Die kleine Gold- und Kupfermine San José am Rande von Copiapo war Anfang August eingestürzt. Nachdem von den verschütteten Bergleuten zunächst jedes Lebenszeichen fehlte und die Regierung die Hoffnung schon fast aufgab, wurden sie nach mehr als zwei Wochen lebend geortet. Seitdem wurde mit mehreren Bohrern an einem Rettungsschacht für sie gearbeitet.

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Erstellt am: 13. Oktober 2010, 10:49 Uhr
Geändert am: 13. Oktober 2010, 13:58 Uhr
Autor: AFP/boc

AFP/boc

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