27. Mai 2010, 00:00 Uhr

Wo Energie zu Hause ist

Zukunftsfähig sind wir nur mit internationaler Zusammenarbeit / Für das Klima ist CCS-Technologie wichtig

Potsdam Unter dem Stichwort „Debatte“ gibt die RUNDSCHAU Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft Gelegenheit, Stellung zu wichtigen Themen zu beziehen, die die Zukunft der Region betreffen.

„Energie-, Umwelt- und Klimafragen machen nicht an Grenzen halt“, so Woidke. Foto: dpa Foto: dpa
Energiepolitik ist eines der spannendsten Politikfelder der Zukunft. Ziel ist es, Energiesicherheit zu gewährleisten, das Klima zu schonen und Preise möglichst stabil zu halten. Und dabei sollen auch noch Arbeitsplätze, Forschung und Wertschöpfung sichergestellt werden - und zwar hier bei uns in der Lausitz, dem Energiezentrum Ostdeutschlands. Diese Ziele werden wir nur erreichen, wenn wir in Europa zusammenarbeiten. Genau deshalb habe ich zusammen mit Gewerkschaftern und Betriebsräten einen Dialog mit Partnern in Schweden begonnen, der Heimat von Vattenfall.

Umwelt- und Klimaschutz stehen ganz oben auf der politischen Agenda bei unseren nördlichen Nachbarn. Darüber hinaus gilt: Energie-, Umwelt- und Klimafragen machen nicht an Grenzen halt. Das hat uns die Katastrophe von Tschernobyl schmerzlich vor Augen geführt, das zeigen uns die Krisenanfälligkeit des Ölpreises und die weltweiten Auswirkungen der Erderwärmung.  Ein Austausch über Erfahrungen im Umgang mit Klimaschutz und Energieerzeugung ist zwingend nötig, um grenzüberschreitende Probleme auch grenzüberschreitend zu lösen.

Was natürlich auch heißt, dass jedes Land gleichzeitig eigene Wege geht. Strom wird in Schweden zu 45 Prozent aus Wasserkraft und zu 45 Prozent aus Kernenergie gewonnen. Anderes Land, andere Erfahrungen. So verbrauchen die Schweden acht- bis zehnmal mehr Strom als wir Brandenburger. In puncto Energieeffizienz und Energiesparen lässt sich von uns also viel lernen. Einig sind wir uns mit unseren schwedischen Partnern, dass die Energieversorgung in den nächsten Jahren nicht allein aus erneuerbaren Energien erfolgen kann.

Tomas Eneroth, der Energieexperte der schwedischen Sozialdemokraten, formuliert das so: »Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, um den Ausstoß von CO zu reduzieren.  Dazu müssen die Gewinne von Vattenfall in umweltfreundliche Technologien investiert werden.« Eneroth will dabei auf die CCS-Technologie setzen, mit der CO abgetrennt und unterirdisch gespeichert wird: »Diese Technik ist wichtig für ganz Europa.« So sieht das auch die Gewerkschaft IF Metall. Ihr Energieexperte Pär Öhman sieht andernfalls auch die großen Stahlunternehmen in der EU gefährdet - denn sie verbrauchen viel Strom und stoßen derzeit noch viel CO aus.

Wir brauchen in Europa heute einen Mix aus unterschiedlichen Energieträgern. Wir Brandenburger setzen neben den erneuerbaren Energien auf Kohle und die CCS-Technologie, mit der es gelingen wird, den CO-Ausstoß massiv zu reduzieren. Das weltweit erste Pilotkraftwerk mit CCS arbeitet seit dem Herbst 2008 in Schwarze Pumpe - und seine Ergebnisse stoßen in Schweden auf großes Interesse. Die neue Technologie ist nämlich nicht nur für Brandenburg und die Kohleverstromung interessant.  Auch Industriebereiche wie die Stahl-, Holz-, Zement- oder Chemieindustrie werden in Zukunft Kohlendioxid abspalten und unterirdisch speichern müssen. Dort muss der CO-Ausstoß reduziert werden, um diese Wirtschaftszweige in Zukunft in Europa zu halten. Dabei können wir von Schweden eine Menge lernen. Zum einen wurde die CCS-Technologie ursprünglich dort entwickelt und zum anderen geht man bereits erste Schritte, um diese Technologie auch für die Stahlindustrie zu erproben.

Schweden blickt neugierig auf unsere Energiestrategie. Brandenburg liegt deutschlandweit an der Spitze bei der Nutzung von Wind, Sonne und Biomasse. Auf diesen Gebieten beginnt der Ausbau in Schweden erst. So schaut man in der Stockholmer Vattenfall-Zentrale, aber auch im schwedischen Parlament ganz genau auf Brandenburg, das für seine Anstrengungen bei den regenerativen Energien mit dem »Leitstern 2008« als bestes Bundesland ausgezeichnet wurde. 

Ein Blick lohnt auch zu unserem östlichen Nachbarn Polen. Dort kommen über 90 Prozent des Stroms aus Kohle. In den nächsten Jahren werden viele der alten Kohlekraftwerke erneuert - und für das Klima wäre es wichtig, dabei die CCS-Technologie anzuwenden, damit möglichst wenig CO in den Klimakreislauf gerät.

Die Zukunft gut bezahlter und hoch qualifizierter Arbeitsplätze ist das wichtigste Anliegen der Gewerkschaften und Betriebsräte hier bei uns in Brandenburg wie auch in Schweden. Arbeitnehmer müssen an einem Strang ziehen. Genau deshalb haben deutsche und schwedische Gewerkschafter und Betriebsräte von IG BCE und Vattenfall nun verabredet, in Zukunft enger zusammenzuarbeiten. Denn nur so kann eine Energiepolitik aus einem Guss entstehen, die in Deutschland und Schweden Akzeptanz findet, Arbeitsplätze in der Industrie sichert und gut ist für Klimaschutz und Energiesicherheit.

Jan Rudén ist als Gewerkschaftschef für Vattenfall zuständig.  Er sagt: »Wir brauchen neue Technologien, um den Klimawandel in den Griff zu bekommen.« Genauso ist es. Und wir werden alles dafür tun, damit die Lausitz dabei ein wichtiger Schrittmacher bleiben wird.

Dietmar Woidke ist SPD-Fraktionsvorsitzender im Brandenburger Landtag

Dietmar Woidke
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Erstellt am: 27. Mai 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 27. Mai 2010, 11:43 Uhr
Autor: Von Dietmar Woidke

Von Dietmar Woidke

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