19. Oktober 2011, 00:00 Uhr

Wie die Griechen

Zum „Goldenen Handschlag“ für ausscheidende Bundeswehrangehörige

Kommentar Wer in der freien Wirtschaft arbeitet, erst recht natürlich wer keine Arbeit hat, der wird angesichts der Aktion „Goldener Handschlag“ bei der Bundeswehr die Faust in der Tasche ballen. Tatsächlich ist das Programm aber nur ein kleines Beispiel für das, was in den höheren Beamtenetagen normal ist.

Dort leben sie noch immer jenseits von gut und böse, frei von allen Dimensionen der strikten Sparsamkeit und Effizienz, die den Rest der Republik prägt und plagt. Auch übrigens den Rest des öffentlichen Dienstes, die Krankenschwester, den Lehrer, den Polizisten.

Wer durch die Flure der Hardthöhe, anderer Ministerien oder oberster Bundesbehörden streift, bekommt das Gefühl behaglicher Zeitlosigkeit, die gegen die Stürme der Veränderungen das Beamtenrecht gesetzt hat. Reformen daran verhindert zuverlässig die Angst der politisch Verantwortlichen vor einem stummen Apparat, der sein nicht vorhandenes Streikrecht jederzeit in Form von Dienst anzuwenden weiß. Nämlich Dienst nach Vorschrift.

So sieht auch der forsche neue Verteidigungsminister Thomas de Maizière keinen anderen Ausweg, als die Überflüssigen durch einen besonders golden geratenen Handschlag loszuwerden. Bei der Privatisierung von Post und Bahn lief es ähnlich, auch beim Umzug von Bonn nach Berlin. Um überhaupt etwas zu bewegen, muss maximaler Ausgleich geboten werden, sonst läuft nichts.

Im Interesse der Bundeswehrreform muss man das wohl auch jetzt wieder hinnehmen. Nur sollte mancher Politiker in Deutschland etwas leiser sein, wenn er sich über die an den Erbhöfen ihres öffentlichen Dienstes klebenden Griechen amüsiert.



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Erstellt am: 19. Oktober 2011, 00:00 Uhr
Geändert am: 19. Oktober 2011, 09:57 Uhr
Autor: KommentarWerner Kolhoff

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