16. Juni 2010, 00:00 Uhr

Warum Spanien nicht Griechenland ist

Welche Hintergründe die Spekulationen um Wirtschaftshilfen haben

Die RUNDSCHAU erklärt „Spanien ist nicht Griechenland“, hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet noch im Mai versichert. Der Vergleich hinkt tatsächlich, denn die Probleme liegen anders – und könnten viel gefährlicher werden.

Warum wird Spanien mit Griechenland verglichen?
Spanien ächzt unter einer enormen Staatsverschuldung. Deswegen kursieren immer wieder Gerüchte, dass wie zuvor Griechenland nun auch Spanien Finanzhilfe bei seinen EU-Partnern beantragen will. Bisher wird dies dementiert. Allerdings ist das Ausmaß der Verschuldung geringer als im Falle Griechenland, und bislang hatte Spanien auch keine Probleme, an den Märkten an frisches Geld zu kommen - zuletzt aber mit spürbar höheren Zinsen.

Was unternimmt Spanien gegen den Schuldenberg?
Das Staatsdefizit von 11,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (2009) soll 2010 auf 9,8 Prozent zurückgehen. Die gesamtstaatliche Verschuldung wird 2010 von 53,2 Prozent auf 64,9 Prozent steigen. Aktuelle Sparpläne sehen Einsparungen von zusätzlich rund 15 Milliarden Euro bis 2011 vor. Bereits im Januar hatte Madrid Einsparungen von 50 Milliarden Euro bis 2013 angekündigt. Damit will Spanien seine Neuverschuldung von zuletzt 11,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2013 auf den zulässigen Höchstwert von drei Prozent drücken. Die Staatsschulden von insgesamt 53 Prozent des BIP sollen 2010 zwar auf rund 65 Prozent steigen - damit sieht die Lage aber deutlich besser aus als in vielen anderen europäischen Ländern.

Wie unterscheidet sich Spanien aber nun von Griechenland?
Zusätzlich zu den Haushaltsproblemen leidet die spanische Ökonomie enorm unter einer Immobilienkrise. Nun gelten zumindest Teile des Bankensektors als gefährdet. Indiz dafür: Viele Sparkassen leiden unter steigenden Kreditausfällen in diesem Bereich. Derzeit schwappt deswegen eine große Fusionswelle durch die Sparkassenwelt. Von ursprünglich 45 Sparkassen ist weniger als die Hälfte übrig. Die regionale Sparkasse CajaSur musste vor dem drohenden Bankrott gerettet werden.

Wie könnte sich die Immobilienkrise auswirken?
Die Sorge wächst, dass das gesamte spanische Finanzsystem bedroht ist. Nach Daten der spanischen Zentralbank vom Dezember 2009 beträgt das gesamte Engagement der Kreditwirtschaft im Bau- und Immobiliensektor 445 Milliarden Euro. Rund 166 Milliarden gelten als kritisch. Allein die Sparkassen brauchen nach Zahlen der Citigroup zwischen 24 und 34 Milliarden Euro, um ihre Mindestkapitalanforderungen zu füllen.

Gibt es kein Auffangnetz für diese Institute?
Der Bankenrestrukturierungsfonds Frob ist mit seinen 99 Milliarden Euro nach Meinung des Citigroup-Experten Ignacio Moreno ausreichend. Nach Meinung eines anderen Experten, Luis de Guindos, eines früheren Wirtschaftsstaatsekretärs, braucht der Sektor zwischen 30 und 50 Milliarden Euro, wobei nicht spezifiziert wird, ob es sich um Sparkassen und Banken handelt. Laut Citigroup brauchen nur fünf Institute (BBK, Cajastur, Kutxa, Unicaja und Caja Vital) kein Frob-Kapital.

Wie groß ist die Gefahr für Banken in anderen EU-Ländern?
Vor allem französische und deutsche Banken sind nach Zahlen aus dem Juni-Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mit hohen Milliardenbeträgen in Spanien engagiert. Die BIZ nennt für deutsche Institute Forderungen von 202 Milliarden Dollar, von denen 109 Milliarden Dollar auf spanische Geldinstitute entfallen. Französische Banken sitzen in Spanien sogar auf Forderungen von 248 Milliarden Dollar, britische immerhin auf 140 Milliarden Dollar.
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Erstellt am: 16. Juni 2010, 00:00 Uhr
Geändert am: 16. Juni 2010, 11:41 Uhr
Autor: dpa/js

dpa/js

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