07. Februar 2012, 00:00 Uhr

Vom Paddelbootverleih kann Lausitz nicht leben

Vom Paddelbootverleih kann Lausitz nicht leben Zum Beitrag „Was kommt nach der Kohle?“ (RUNDSCHAU vom 26. Januar) äußert sich Hermann Graf von Pückler: Selten habe ich einen Artikel gelesen, der auf so breitem Raum so wenig aussagt zu einem Thema, das den Lausitzer naturgemäß besonders interessiert.

Oder umgekehrt, vielleicht sagt er gerade deshalb viel aus. Der Grund dafür mag sein, dass man wirklich nicht weiß, wie es weitergehen soll. Ich wüsste es auch nicht.

Der Autor, der ja kein fertiges Konzept liefern kann, aber doch immerhin Ansätze aufzeigen sollte, bei der anspruchsvollen Überschrift, befasst sich nahezu ausschließlich mit touristischen Aspekten der „Neuen Lausitz“. Zu glauben, dass sich unsere Heimat zukünftig vom Paddelbootverleih und Radwanderwegen wird ernähren können, ist mehr als blauäugig – das können doch allenfalls Randaspekte sein. Den Lausitzern muss gesagt werden, ob die Brot- und Butterlinie Brandenburgs die Forst- und Landwirtschaft und alles was hintendran hängt in Zukunft auf rekultivierten Flächen ökonomisch sinnvoll betrieben werden kann. Die Erfahrungen auf den heute zur Verfügung stehenden Rekultivierungsflächen sind keineswegs ermutigend. (. . .) Hinzu kommen Rutschungen, so dass circa 3000 Hektar Rekultivierungsflächen, die aus dem Bergrecht entlassen worden sind, unter Betretungsverbot stehen.

Ein weiterer Aspekt ist der unkontrollierte Wiederanstieg des Grundwassers. Wie man nach Umpflügen großer Areale bis auf 100 Meter Tiefe, und der somit erfolgten Zerstörung von wasserführenden Schichten, auf die Wiederherstellung eines Grundwasserpegels von minus zwei Meter kommen will – wie es die kohlefördernde Gesellschaft erklärt, ist mir ein Rätsel. (. . .)

Wenn wir unsere Jugend im Lande halten wollen, müssen wir ihr möglichst klar sagen, ob ein Leben nach der Braunkohle hier in der Lausitz möglich sein wird. Für den Paddelbootverleiher ist das beantwortet, aber nur für den. Mit Adjektiven wie „kreativ, dynamisch, umsetzungsorientiert“ kommen wir nicht weiter.

Ich habe großen Respekt vor der unternehmerischen Leistung des Tagebaus. Dieser muss aber verstehen, dass er aufgrund seiner, mit der Bergbautätigkeit notwendigerweise einhergehenden Devastierung weiter Flächen unserer Landschaft, die Verpflichtung hat, diese wieder so herzustellen, dass Menschen dort leben und sich ernähren können. Sollte eine wirtschaftlich sinnvolle Rekultivierung nicht gelingen, sind neue Aufschlüsse zu überdenken. Das sollte auch das Handeln der Landesregierung bestimmen. Diese trägt nicht nur eine Verantwortung für die Lausitz bis zum Ende der Legislaturperiode, sondern weit darüber hinaus.

Die Freiheit des Denkens wird eingeengt

Dieter Lehmann aus Falkenberg/Elster schreibt zur Berichterstattung über die Beobachtung der Linkspartei durch den Verfassungsschutz:

( . . . ) Eigentlich sollte ich Schadensfreude empfinden. Denn auch ich wurde in der DDR durch die Stasi jahrelang systematisch ausspioniert – das konnte ich durch die Einsicht in den dicken Wälzer meiner Stasi-Akte nachträglich erfahren. Aber Schadensfreude ist hier fehl am Platze. Wenn in einem Staat das demokratische Prinzip der freien Meinungsäußerung infrage gestellt wird, dann sollte man nachdenklich werden. Der Untergang der DDR hat gezeigt, dass Staaten, die sich durch dogmatische Engstirnigkeit als nicht mehr reformierbar erweisen, irgendwann an einen Kipppunkt gelangen, wo sie durch das Volk gestürzt werden. Die Ereignisse des vergangenen Jahres durch den Arabischen Frühling haben das ebenfalls bewiesen. Staaten und deren Gesellschaften müssen sich stets den sich verändernden Anforderungen der Zeit stellen und anpassen. Sie müssen reformierbar sein! Voraussetzung dafür ist die Meinungsfreiheit, das Recht des freien Denkens! Wenn Geheimdienste zum „Staat im Staate“ werden und ihren eigenen Bürgern misstrauen, bespitzeln und verfolgen, dann müssen die Alarmglocken schrillen. Die Überwachung und Bespitzelung der frei gewählten Bundestagsabgeordneten der Linkspartei sind für mich ein Signal dafür, dass auch im gegenwärtigen Staat – dessen Mängel und Fehlentwicklungen offensichtlich sind – die Freiheit des Denkens und dies öffentlich sagen zu können, eingeengt werden sollen. ( . . . )
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Erstellt am: 07. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 07. Februar 2012, 03:33 Uhr
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