29. Dezember 2009, 00:00 Uhr

Volkszählung 2011

Warum niemand vor dem geplanten Zensus Sorge haben muss

Der Zensus ist keine biblische Schätzung. Im nächsten Jahr beginnen die Vorbereitungen für die Volkszählung 2011 – aber niemand muss sich fürchten.

Im Jahr 2011 wird eine Volkszählung in Deutschland stattfinden, die im kommenden Jahr intensiv vorbereitet werden wird. Dieser Zensus wird aber weder eine Zählung aller Bürgerinnen und Bürger sein, noch werden personenbezogene Daten erfasst. Eine klassische Volkszählung hat in der Bundesrepublik zuletzt 1987 stattgefunden und damals zu jeder Menge Ärger geführt. Viele hatten dabei die aus der Weihnachtsgeschichte wohlvertraute „Volkszählung“ im Kopf, bei der das Römische Reich in der Tat persönliche Akten angelegt hat. So heißt es im Lukas-Evangelium: „Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, (. . .) damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe.“

Anonyme Statistiken

Aber diese „Schätzung“, die Kaiser Augustus angeordnet hatte, war keine statistische Erhebung. Er wollte eine Adresskartei aufbauen, damit die Weltmacht Rom effektiv Steuern eintreiben konnte. Heute geht es bei der Volkszählung hingegen um anonyme Statistiken, also um die Größe und Struktur der Bevölkerung.

Dass die biblische Schätzung nichts mit Statistik zu tun hatte, kann man im Grunde schon daran erkennen, dass Familien an ihrem Geburtsort gezählt wurden. Das wäre für eine rein statistische Erhebung ein völlig überflüssiger Aufwand gewesen. Die damals extrem mühseligen Reisen waren aber notwendig, weil nur ganze Sippen, oft also kleine Gemeinden insgesamt, besteuert wurden. Ein moderner Zensus dagegen soll lediglich die Einwohnerzahlen in ihren Summen möglichst genau feststellen.

Einwohnerzahlen sind die zentrale Basis für die Finanzströme im Staat. Wie viel Geld zwischen Kommunen, Ländern, dem Bund und an die Europäische Union fließt, hängt ab von der Bevölkerungsgröße. Auch für die Stimmenzahl der Bundesländer im Bundesrat und für den Zuschnitt von Wahlkreisen sind möglichst genaue Einwohnerzahlen nötig.

Aber hundertprozentig genau muss eine Volkszählung nicht sein. Den Finanzausgleich würde man ja eigentlich anhand der Leistungsfähigkeit von Regionen ausgestalten. Dann aber würde es endlosen Streit um die Messung geben. Deswegen nimmt man die Einwohnerzahl als vergleichsweise einfach zu bestimmende Hilfsgröße.

Da es nur um die Ermittlung von Hilfsgrößen geht, kann man sie heutzutage durch das Auszählen von ohnehin vorhandenen Daten bei den Einwohnermeldeämtern und den Sozialversicherungen ermitteln, ohne dass man Hunderttausende von Zählern durchs Land schicken muss.

Zusätzliche Stichproben

Weil in den Melderegistern und Sozialversicherungsdaten jedoch Fehler enthalten sind, wird die so ermittelte Einwohnerzahl nicht hundertprozentig exakt sein. Das war sie aber auch nicht, als noch gezählt wurde. Um die gröbsten Fehler auf Basis der Statistik-Register zu korrigieren, weil zum Beispiel Leute sich bei einem Umzug nicht am alten Ort abmelden, wird es allerdings – für rein statistische Zwecke – eine zusätzliche Stichproben-Erhebung bei etwa zehn Prozent der Bevölkerung geben.

Dabei werden auch einige wichtige sozialstrukturelle Informationen, etwa der Bildungsabschluss, erhoben. „Persönlichkeitsprofile“ kann man daraus bestimmt nicht ableiten. Die Erhebung des religiösen Bekenntnisses und des „Migrationshintergrundes“ wird den gewandelten gesellschaftlichen Strukturen gerecht. Insgesamt handelt es sich aber beim „Zensus“ um eine notwendige und zugleich wenig aufregende Statistik.

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Erstellt am: 29. Dezember 2009, 00:00 Uhr
Geändert am: 29. Dezember 2009, 01:24 Uhr
Autor: Von Gert G. Wagner

Von Gert G. Wagner

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