Schirrmacher wollte eine einseitig-linke Vereinnahmung Hacks' verhindern. Er hatte damit die Muse über die Moral gestellt. Muss ein Schriftsteller moralische Instanz sein? Wie wichtig ist die Frage, ob ein anderer Schriftsteller – Erwin Strittmater – Gräueltaten im Krieg gesehen und später verschwiegen haben soll? Wie wichtig ist für die Nachwelt auch die neueste Erkenntnis des Historikers Bernd-Rainer Barth, dass Strittmatter vermutlich an Kämpfen teilgenommen hat – möglicherweise auch als Mitglied der Waffen-SS? Auch wenn diese Forschungen nicht abgeschlossen sind – ein Makel bleibt. In der Tat – es ist wichtig für die Bewertung der Vergangenheit, für Lehrende und Lernende und für Haltungsübungen in heutigen, weitaus einfacheren Zeiten. Dass die Stadt Spremberg und der Strittmatter-Verein in Bohsdorf sich auf die schwierige Suche nach der ganzen Wahrheit aufgemacht haben, spricht für sie. In Gänze wird sie wohl unter „Unter Eechen“ begraben bleiben – zumindest symbolisch. Doch ein Teil der Wahrheit ist noch immer gut lesbar. In seinen Büchern hatte sich Strittmater langsam, eher wegtastend – zuerst vom Kaiserreich, und später von der ersten sowie von der zweiten deutschen Diktatur – entfernt. Jedes Autoritätsgehabe war dem Lausitzer, der selbst nie einfach war, fern und fremd. Er hatte sich, nach einem kurzen frühen Intermezzo mit der Stasi, wie die übergroße Mehrheit seiner Generation innerlich verabschiedet von den Diktaturen seiner Zeit, hatte sich in wohltuend lesbare Distanz hineingeschrieben. Er nahm für sich etwas in Anspruch, was der Philosph Peter Sloterdijk heute „übendes Leben“ nennt. Viele seiner Figuren sind geprägt von einem unideologischen, humanistischen Weltbild – verwurzelt und beheimatet in der Lausitz. Historikern entgeht so etwas sch nell, Lesern selten.
Von Thomas Klatt
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