Hagen Strauß
Die Verlockung im Wahljahr ist groß. Doch so ist diese Kanzlerin nicht. Im Gegenteil: Holzmann steht für das Scheitern unseriöser Politik, für unredlichen Umgang mit bangenden Arbeitnehmern. So soll es bei Opel nicht sein. Merkel hat gut daran getan, dies glasklar als ihre Linie vorzugeben.
Die Kanzlerin ist ihrer ruhigen Hand in der Frage der Opel-Rettung treu geblieben. Die Debatte darüber wird ja auch sehr emotional geführt, von der Belegschaft, von den Menschen in den betroffenen Regionen und Bundesländern. Das berührt und verführt. Merkels Politik-Prinzip aber ist das der kühlen Nüchternheit. Oft wird sie deshalb gescholten, sie zeige zu wenig Herz, sei zu pragmatisch und distanziert. Stimmt. Aber bei der Suche nach seriösen Lösungen in Krisensituation kann diese Merkelsche Art zum Nutzen der Betroffenen sein, weil eher das Beste und nicht nur das Populärste in den Blick genommen wird. Den Opel-Beschäftigten hat die Kanzlerin jedenfalls mit einer zulässigen Portion Optimismus nicht mehr versprochen, als sie derzeit halten kann.
Erst muss in den nächsten 60 Tagen in den USA Klarheit herrschen, wie es mit dem Mutterkonzern General Motors weitergehen wird. Die Opel-Belegschaft hängt damit weiter in der Warteschleife. Aber die Bundesregierung hat zusätzlich Zeit, mitzureden und Einfluss zu nehmen. Sie muss diese Chance im Sinne des Autobauers jetzt nutzen.
Von Hagen Strauß
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