09. Februar 2012, 00:00 Uhr

Jenseits der Konfrontation

Zur Energiestrategie des Landes Brandenburg

Kommentar Wieder und wieder die alten Argumente um die Braunkohle, könnte man nach der jüngsten Anhörung im Potsdamer Landtag sagen. Tatsächlich haben sich die Fronten zuletzt nur verhärtet zwischen den Kommunalpolitikern und regionalen Wirtschaftsvertretern, die für neue Tagebaue sind und der wachsenden Zahl von Experten und Betroffenen, die bei der Braunkohlewirtschaft nur noch den Kopf schütteln.

Da gibt es auf den ersten Blick kaum noch Räume zum Zuhören, geschweige denn zum Austausch von Argumenten. Die Schärfe der Debatte ist ja auch verständlich angesichts der Fragen, um die es geht.

Bei genauerem Hinsehen offenbart sich darin allerdings vor allem die Angst angesichts der Unsicherheit, vor der die Region in jedem Falle steht. Und so sehr dies die Protagonisten des einen wie des anderen Szenarios auch wünschen mögen, so spricht doch wenig dafür, dass wir in absehbarer Zeit sicher sein können, wie sich die Wirtschaftsstruktur der Region gestaltet. Es wäre schon viel erreicht, wenn alle Beteiligten sich eingestehen würden, wie gering die eigenen Handlungsmöglichkeiten sind bei dem, was für Deutschland als Energiewende definiert wird. Bei diesem umstrittenen Versuch, Klimaschutz mit einem technologischen Umbruch zu verbinden, werden die richtungweisenden Entscheidungen nicht in Cottbus oder Potsdam, sondern in Berlin und Brüssel getroffen. Den Konflikt jetzt exemplarisch in die Region zu verlagern, wird keines der Probleme lösen, die aus der großen Abhängigkeit von der Energiewirtschaft resultieren und die teilweise ja schon Jahrzehnte alt sind.

Dabei ist eine Debatte jenseits der Konfrontation durchaus denkbar. Dafür wäre auch Zeit und Raum vorhanden in solch einem Moment, wo auf den entscheidenden Ebenen klar gemacht wird, dass man nicht willens, vielleicht auch gar nicht in der Lage ist, sich festzulegen. Die Konsequenz aus solcher Unsicherheit wäre es dann, vorsichtig auszuloten, wo die Interessen der jeweils anderen Seite vielleicht doch berechtigt sind und wo Kompromisse denkbar wären. Es eint Braunkohlegegner und Kraftwerksbefürworter mehr, als sie glauben. Ihr Streit resultiert aus der gleichen Sorge um die Zukunft, aus durchaus noch vergleichbaren Vorstellungen von einer lebenswerten Heimat. Vor allem aber sollten alle Beteiligten wissen, dass die Lausitz letztlich nur eine Chance hat, wenn der Interessenkonflikt, der die Menschen derzeit trennt, nicht weiter zugespitzt wird. Ihn in Würde, also in der Bereitschaft zum Zuhören, zum Mitfühlen und damit zum Ausgleich zu gestalten ist derzeit sowieso die einzig wirklich verbliebene Handlungsoption.



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Erstellt am: 09. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 09. Februar 2012, 08:40 Uhr
Autor: KommentareJohannLegner

KommentareJohannLegner

Jüngste Kommentare (2)

der wachsenden Zahl von Experten ?

von Dieter_Buddrus

Meint der Herr Chefkommentator nicht doch eher jene explodierende Zahl von selbst erannten Igsperden und geltungsebdürftigen Schaltatanen? Natürlich teilweise mit einem akademischen Titel ausgestattet.
Aber das sind genau jene Typen von Igsperden und Scharlatanen, die man auch 1999 im Fernsehen als Igsperden für die kommenden Y2K-Probleme erleben konnte. Wo diese "Experten" uns allen explodieren Atomkraftwerke und startende kernwaffentragende Raketen genauso ankündigten, wie verrückte Waschmaschinen, Millionen implodierende TV-Geräte und spuckende Wasserkocher.
Über die Totalblamage dieser tollen Experten haben dann jedoch alle sensationsgeilen Medien den Mantel des Schweigens gedeckt.
Die Realität sieht halt anders aus.

...

von Xerxes

Genau!
Stimme zu, die Fronten sind derzeit wirklich sehr verhärtet und die Diskussion sehr unsachlich. Es wird wohl noch eine Weile brauchen, dass nicht nur jeder zu offensiv aus seiner Perspektive argumentiert...

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