Gute Welt, schlechte Welt
Der Bundespräsident verliert immer mehr an Rückhalt
Kommentar I n der Causa Wulff gibt es zwei voneinander getrennte Welten. In der einen lebt der Bundespräsident selbst.
Er glaubt, dass sich das Amt des Bundespräsidenten loslösen ließe von der Vorgeschichte der Person, die es innehat; von der Diskussion, die über seine Vergangenheit als Parteipolitiker geführt wird. Und damit auch von den Vorwürfen, die gegen ihn erhoben werden. Gute Welt, schlechte Welt. So funktioniert es jedoch nicht. Auch wenn Wulff gestern bei seinem Interview-Auftritt erneut gezeigt hat, dass er fest daran glaubt, dass eine solche Trennung möglich ist, so ist sie vor allem eines: realitätsfern. Man kann diese Haltung Überlebensstrategie im Amt nennen. Anders könnte man den öffentlichen Druck selbst als erfahrener Politiker wohl nicht aushalten. Bislang wurde der Präsident insbesondere dadurch bestärkt, dass die meisten Bürger die Debatte als übertrieben empfanden. Dass die Medien in der Befeuerung der Affäre nicht immer ein besonders gutes Bild abgegeben haben, ist zudem inzwischen unbestritten.
Doch das Meinungsbild kippt. Und zwar zuungunsten des Mannes in Schloss Bellevue. Die Menschen merken, dass Wulffs präsidiale Fassade in Wahrheit nicht aufrecht zu halten ist. Wenn ihm somit politisch noch etwas gefährlich werden kann, dann ist es nicht, dass er von den Grünen nun in Niedersachsen als Lügner beschimpft wird. Die Bürger werden Wulff zunehmend gefährlich, weil sie sich von ihm abwenden.
Ein Präsident ohne Volk ist aber kein Präsident mehr. Und gleiches gilt für ein Staatsoberhaupt, das in Wahrheit nicht weiß, wie es sein Volk zurückgewinnen kan n.
politik@lr-online.de
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Erstellt am: 23. Januar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 23. Januar 2012, 08:50 Uhr
Autor: Kommentare Hagen Strauss

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