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Feste Grenzwerte müssen her

Mediziner müsste man sein, dann könnte man in diesen Tagen ganz groß rauskommen. Nämlich dann, wenn es einem gelänge, hundertprozentig nachzuweisen, dass Claudia Pechstein gedopt hat.

16.03.2010
Oder, dass sie es nicht getan hat. Beide Beweise fehlen nämlich trotz der gestrigen Entlastungs-Show der Pechstein-Seite noch immer – und stürzen den Sport in eine tiefe Sinnkrise. Denn in der Höher-Schneller-Weiter-Welt ist man inzwischen in Grenzbereichen angekommen, die kaum mehr fassbar sind. Die Dopingpraktiken werden immer raffinierter, für die Fahnder bedeutet das Ermittlungen im Milliliter-Bereich. Wie viele rote Blutkörperchen hat ein ungedopter Sportler, wie viele ein gedopter? Diese und viele weitere entscheidende Fragen sind nicht mehr seriös zu beantworten, der einwandfreie Nachweis von Doping quasi unmöglich.

Deswegen muss in der Dopingfrage komplett umgedacht werden. Es müssen vernünftige Grenzwerte her – für alle möglichen Körperfunktionen. Beispielsweise auch ein Grenzwert für Retikulozyten im Blut, der ja im Fall Pechstein die entscheidende Rolle spielte. Ist der zu hoch, darf der Sportler nicht am Wettkampf teilnehmen. Schluss. Aus. Egal, ob der Ahtlet eine Blutkrankheit geerbt oder Epo gespritzt hat. Gerecht ist das zwar keineswegs, sorgt aber zumindest für faire Voraussetzungen für alle. Auch wenn es hart klingen mag: Nicht jeder ist eben zum Olympiasieger geboren.

Von Jan Lehmann
 
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