Warum wurde die Schweinegrippe von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) überschätzt?Die WHO und auch die meisten Staaten hatten Pandemiepläne, die nicht zwischen gefährlichen und eher harmlosen Grippeviren unterscheiden. Man hatte sich auf eine Grippe vorbereitet, die mindestens so schwer wie die Hongkong-Grippe von 1968, vielleicht aber auch so schlimm wie die Vogelgrippe sein würde. Es gab aber auch Fachleute, die von Anfang an erkannten, dass die Schweinegrippe höchstwahrscheinlich nicht so gefährlich wird.Welche Lehren kann man daraus ziehen?
Wir müssen die öffentlichen Pandemiepläne erstens an die Möglichkeit verschieden gefährlicher Viren anpassen. Ich verwende dafür schon seit vielen Jahren ein abgestuftes Schema, bei dem in mehreren Szenarien geplant wird. Das sollten auch die Bundesländer so oder ähnlich übernehmen. Zweitens ist die strikte Orientierung an den Phasen der WHO nicht optimal, weil Phase 6 nicht zugleich eine globale Katastrophe bedeutet, wie viele glaubten. In den von mir erstellten Pandemieplänen verwendeten wir eine andere Einteilung, die sich jetzt als vorteilhaft erwiesen hat. Drittens müssen wir bezüglich der Impfstoffe Lehren ziehen.Kann das Virus noch mal aufflackern und dann vielleicht stärker?
Das Virus könnte im Herbst noch einmal zur Influenza-Saison auftreten. Dass es deutlich gefährlicher wird, habe ich immer bezweifelt und glaube es nach wie vor nicht. Trotzdem ist es eventuell sinnvoll, dagegen eine Komponente in die saiso nalen Impfstoffe einzubeziehen. Leider muss dann eine Komponente gegen eine andere, saiso nale Virusvariante weggelassen werden. Das ist eine schwere Entscheidung.
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