Ja, und zwar aus mehreren Gründen. Die Überrumpelungstaktik der Ministerin, ohne Abstimmung mit den Beteiligten das Ziel vorzugeben, führte in die Sackgasse, weil sie sich nicht ausreichend mit guten Argumenten eingedeckt hatte. Ihr Verweis auf das Gutachten der Lausitz-Kommission wirkte der Zielstellung sogar entgegen, weil eben diese Kommission zu einem ganz anderen Schluss kam: Kooperation statt Einheit. Laszlo Földesi, Sprecher des Studierendenrates der BTU Cottbus, beschrieb während der denkwürdigen Podiumsdiskussion am Dienstagabend das Defizit mit einem Vergleich: Wenn ich die Absicht habe, in der Klausur eine Eins zu schreiben, mich aber erst nach der Klausur hinsetze, um zu lernen, komme ich nicht weit. Das ist die erste Lehre, die Lausitzer Studenten vor allem Potsdam ins Stammbuch schreiben.

Dennoch gibt es trotz mangelhafter Faktenlage eine Reihe von guten Argumenten sowohl aus Cottbus als auch aus Senftenberg, die für oder gegen eine einheitliche Hochschule sprechen. Theoretisch denkbar wäre sogar, dass eine gemeinsame Arbeitsgruppe aus den Lausitzer Hochschulen heraus genau zu diesem Ergebnis kommt. Doch muss ein solches Team erst einmal gegründet werden und machen. Die studentischen Vertreter beider Hochschulen haben sich angeboten, mitzuarbeiten. Sie verlangen nicht wenig: Schluss mit schönen Worten, Fakten auf den Tisch, Ärmel hoch und loslegen. Das ist die zweite Lehre, die Studenten vornehmlich den nicht immer so kooperationsfreudigen Hochschulpräsidenten ins Stammbuch schreiben.

Die dritte Lehre ist die schönste. Eine einfache Botschaft: Das Leben in der Lausitz ist lebenswert, aber nur dann, wenn die Lausitz ihre Geschicke selbst in die Hand nimmt.

Sollte die von Ministerin Kunst ungewollt entfachte Hochschuldebatte so etwas wie eine Initialzündung gewesen sein für eine Region, die dringend aufwachen und nicht nur Probleme im Hochschulwesen lösen muss, dann gebührt ihr höchste Anerkennung. Die Lausitz braucht dringend frischen Wind. Und dass Lausitzer Studenten die erste frische Brise entfachen, fühlt sich sehr jung und gesund an.

 

johannes.m.fischer@lr-online.de