Auf Dauer gefangen
Zu einer Länderfusion von Brandenburg und Berlin
Kommentar Jetzt hat der Berliner Finanzsenator Ulrich Nußbaum tatsächlich schon wieder dieses Unwort der Brandenburger Politik in den Mund genommen – die Länderfusion. Der parteilose Amtsinhaber hat dabei auf ein paar unangenehme, keineswegs nur für Berlin bedeutsame Tatsachen hingewiesen.
In Potsdam wird man solch eine Stimme wie üblich als uninteressant abtun. Dort unterhält man sich derzeit lieber über den Neuzuschnitt der Landkreise oder darüber, ob man mit dem Abbau des überflüssigen Landespersonals nicht doch besser noch ein paar Jahre wartet. In Dresden kann man offenbar Herrn Nußbaum besser verstanden. Dort wird seit einigen Jahren streng darauf geachtet, dass sich die Diskussion nicht in eine Richtung verselbstständigt, in der die Landespolitik keinen Entscheidungsspielraum mehr hat. Sachsen zuerst, auch Bayern und Baden-Württemberg können über die föderale Landschaft, also über ihre weitere Eigenständigkeit tatsächlich noch lange in aller Unabhängigkeit entscheiden. Sachsen ist das mit Abstand am geringsten verschuldete Bundesland und hat gute Chancen, in absehbarer Zeit frei zu sein von Zinszahlungen für alte Verpflichtungen.
Berlin sowieso und Brandenburg kaum weniger sind auf dem besten Weg, auf Dauer gefangen zu bleiben in der Abhängigkeit von anderen politischen Entscheidungsebenen. Und die, da hat Nußbaum sicher nicht ganz unrecht, können sich mit vielerlei Vorschlägen einmischen. Einer davon war in den letzten Monaten die Idee, Berlin als Bundeshauptstadt auch direkt durch die Bundesebene zu verwalten. Das wäre dann der radikale Schritt mit übrigens weitreichenden Auswirkungen auf Brandenburg. In Potsdam will sich damit derzeit keiner mehr beschäftigen. Da denkt man lieber in kurzen Zeiträumen und überschaubaren Dimensionen. Bei fast 19 Milliarden Euro Schulden ist solche Bescheidenheit allerdings kontraproduktiv. Eher früher als später wird man wohl wieder reden müssen – auch über die Fusion.
politik@lr-online.de
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Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 06. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 06. Februar 2012, 11:04 Uhr
Autor: Kommentare Johann Legner

Jüngste Kommentare (2)
Kein Gesprächsbedarf
von unbekannt
Ich sehe da auch keinen Gesprächsbedarf mehr, mit Zwangsfusionen ist es wie mit Zwangsehen, da frißt dann auch einer den anderen auf, die Frage ist immer nur, wer frißt am Ende wen?
Vorhersage
von unbekannt
Antwort auf folgenden Beitrag von unbekannt am 06.02.2012 14:02 Uhr
Es kommt Inflation, es kommt Geldentwertung, wahrscheinlich sogar eine neue Währungsreform, wen interessieren da die Schulden in Euro?