Der Tagebau Nochten nähert sich mit Riesenschritten Trebendorf und Mühlrose. Der beim Kohleabbau unvermeidliche Staub und Lärm macht Einwohnern in beiden Orten schon jetzt zu schaffen, obwohl es ja noch Vorgeplänkel ist. Denn die Förderbrücke ist noch rund 2,5 Kilometer entfernt. In Trebendorf fühlen sich vor allem die Anwohner vom Waldweg betroffen. Sie fürchten um ihre Lebensqualität und sagen, die ergriffenen Schutzmaßnahmen seien nicht ausreichend.

Umweltexperte Jens Höhna hatte Dienstagabend in einer Einwohnerversammlung in Trebendorf die Mess-Ergebnisse von Lärm- und Staub-Immissionen vorgestellt. An sieben Punkten am Tagebau Nochten wird der Lärm überwacht, davon an je einer Stelle in Trebendorf und Mühlrose. "Die gesetzlichen Richtwerte werden eingehalten", so das Fazit. Gemessen werde zweimal im Jahr durch eine bundesweit agierende externe Firma, die Akustik Labor aus Berlin.

Die 2014 gemessenen Werte in Mühlrose betrugen 40,6 und 36,6 dB(A), im Jahr darauf 43,1 und 34,3. Am Waldweg: 35 und 29,4 dB in 2014 sowie 35,6 und 33,4 dann 2015. Um den Lärm zu mindern, seien 2014 und 2015 verschiedene technische Maßnahmen ergriffen worden: Zum Beispiel wurden Antriebe von Vorschnittbaggern und Antriebsstationen der Bandanlagen gekapselt, gemäß dem Stand der Technik neue Getriebe an der Abraumförderbrücke eingesetzt oder auch lärmgeminderte Tragrollen an Bandanlagen eingebaut. Akustische Kommandos und Signale werden auf Forderung der Weißwasseraner zwischen 21 und 6 Uhr weitgehend vermieden. Ausgenommen ist aus arbeitsrechtlichen Gründen der Grubenbetrieb. In diesem Jahr soll ein neues Kopfband, das in Betrieb geht, ebenfalls mit lärmgeminderten Tragrollen ausgestattet werden.

Die Beeinträchtigungen durch Tagebau-Staubniederschlag lässt Vattenfall an 17 Messstellen erfassen. Dreimal in Trebendorf - Sportplatz und zwei am Waldweg - sowie zweimal in Mühlrose, am Übergang Kohlebahn und an der alten Schule. Die externe Gutachterfirma Eurofins Umwelt Ost GmbH aus Freital nimmt die Messungen vor, die rund um die Uhr laufen. Jens Höhna berichtete am Dienstagabend in der Einwohnerversammlung von 0,05 bis 0,06 Gramm je Quadratmeter. In den ersten drei Monaten 2016 lagen die Werte unter 0,05, so Höhna.

Vattenfall habe verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Bewohner vor Staub zu schützen, so der Immissionsschutzbeauftragte. Als Beispiele nannte er Schutzpflanzungen, aufgewertete Waldbestände und Wege, die bei Trockenheit feucht gehalten werden. Im Bereich Hinterberg seien Rotbuchen, Hainbuchen, Kiefern und Erlen gepflanzt worden. Da es letztes Jahr recht trocken war, gab es etliche Ausfälle. "Nachbesserungen erfolgten im Herbst, und jetzt im Frühjahr ging es weiter. In den nächsten Tagen wird noch gepflanzt", so Höhna.

Für Uwe Radtke, Frank Gärtig oder Jürgen Stupka zum Beispiel reichen die Schutzpflanzungen vor Trebendorf noch nicht aus. Uwe Radtke berichtete: "Messtrupps sind durch angelegte Pflanzbereiche gefahren. Das hat mich entsetzt." Tagebau-Referent Mathias Kuhle sicherte zu, die Trebendorfer Arbeitsgruppe Wald kümmere sich darum. Er lud Uwe Radtke in die Gruppe und zu einer Vor-Befahrung ein. Das gilt auch für Waldemar Locke. Der Ortsvorsteher und Wolfgang Martin sprachen die extremen Staub-Auswirkungen auf Mühlrose an. Es sei zum Teil unerträglich. Die Mühlroser würden sich sehr an die Zeiten der alten Kohleverladung am Dorfrand erinnert fühlen.

Marina Kowalick forderte auf, sich nicht nur an Normen zu orientieren und nachzuweisen, dass diese eingehalten werden. "Fragen Sie mal die Leute, wie die den Staub und Lärm empfinden!"