Mit 59 Jahren geht Monika Scheer in die Altersteilzeit. Nicht, dass sie von den Kindern genug habe, es sei einfach Zeit, sagt sie. So vollzieht sich in ihrer letzten Wirkungsstätte als Leiterin in der Kita „Hummelnest“ des Albert-Schweitzer-Familienwerkes (ASF) in Sellessen ein Leitungswechsel. Ab sofort übernimmt die 41-jährige Simone Münchow mit ihrem fünfköpfigen Team das Zepter in der Einrichtung mit 52 Kindern. Gleichzeitig war Monika Scheer auch Leiterin des Hortes, dessen Geschicke werden nun in Regina Funkes Hände gelegt. Dabei kümmern sich sechs Erzieherinnen um 110 Kinder.
Monika Scheer hat sich während ihrer gesamten beruflichen Laufbahn nie vor Führungspositionen gescheut. Ihre erste Einrichtung übernahm sie damals in Kamenz, es folgten Kindergärten in der Spremberger Gärtnerstraße, auf dem Schomberg, in der Kita in Sellessen sowie ihre letzte große Herausforderung: die neue ASF-Kindereinrichtung, die mit der Umsiedlung von Haidemühl entstanden war. "Es war in allen Kindereinrichtungen eine schöne Zeit. Doch die Arbeit in Sellessen hat mich besonders geprägt. Hier waren wir ja erst in der Einrichtung in der Bräsinchener Straße, bevor wir dann das neue Haus in Besitz nehmen konnten. Wir erarbeiteten Konzepte und hatten die Möglichkeit, die Einrichtungen mitzugestalten", erzählt die leidenschaftliche Erzieherin. "Doch auch das Leben auf dem Dorf ist anders. Es ist noch viel individueller, wir haben gute Kontakte zum Ortsb ürgermeister, zu den ansässigen Betrieben und den Vereinen." Ihre Wirkungsstätten hätten in all den Jahren kaum unterschiedlicher sein können. So habe sie in einer Villa, einer Kinderkombination, einer familiären Einrichtung wie in Sellessen und zuletzt in einem modernen Haus gearbeitet.
"Aber nun ist wohl die Zeit gekommen, dass ich etwas kürzer trete. Die Geschicke des Hauses sollen jüngere Mitarbeiter übernehmen, so ist der Lauf der Zeit", sagt Monika Scheer ganz nüchtern. Sie fügt aber an, dass sie dem Haus weiterhin verbunden bleibe. Langeweile werde bei ihr nicht aufkommen. "Ich werde mich in meiner Freizeit schon zu beschäftigen wissen." Lesen, Theaterbesuche, Wandern - das seien ihre Hobbys. Wichtig ist Monika Scheer aber vor allem, endlich mehr Zeit für ihre eigene Familie zu haben. "Nun werde ich mich auch öfter mal auf den Weg nach Bayern zu unserer Tochter Christiane machen." Jetzt wolle sie erst einmal zur Ruhe kommen, aber zu einem späteren Zeitpunkt könne sie sich vorstellen, ein Ehrenamt zu übernehmen.
Die Sellessener Hort- und Kita-Kinder hatten sich von ihrer Leiterin verabschiedet, bevor sie im Dezember ihren Urlaub angetreten hat. Trotzdem gibt es heute noch eine offizielle Feier für Monika Scheer. ASF-Geschäftsführer Holger Wahl wird es sich nicht nehmen lassen, sich bei seiner Kollegin für die jahrelange Treue zu bedanken.