Drei Hebammen machten sich 1993 mit ihrer Praxis und dem Geburtshaus „Lichtblicke“ selbstständig. Am 8. März feierten sie bei einem Tag der offenen Tür mit Eltern und Kindern das zehnjährige Bestehen ihres Hauses.
Mit der Schließung der in der Region gut bekannten Altdöberner Frauenklinik im Jahre 1992 sah es so aus, als würde hier eine medizinische Tradition zu Ende gehen. Doch mit der Wende und den neuen Bedingungen entwickelten sich auch neue Formen der Betreuung von Schwangeren und Entbindungen. Bereits im November 1991 ging Dietlind Gennermann als erste Hebamme in Altdöbern in die Freiberuflichkeit, zunächst mit Geburtsvorbereitungskursen und häuslicher Wochenbettbetreuung.
Als der Klinikbetrieb eingestellt wurde, die Geburtenzahlen waren im „Keller“ , überlegten einige Hebammen, eine Praxis zu eröffnen. Am Ende waren es Dietlind Gennermann und ihre Kollegin Antje Zobel, die das Vorhaben in die Tat umsetzten. Sie mieteten die ehemalige Waschküche und bauten sie komplett um. Als das Haus am 6. März 1993 eingeweiht wurde, gab es sogar schon zwei Geburten in der Praxis. „In der Nacht danach kamen zwei weitere Kinder auf die Welt“ , erinnern sich die beiden Hebammen.
Dietlind Gennermann und Antje Zobel sind rund um die Uhr im Bereitschaftsdienst, bieten in den eigenen Räumen Geburtsvorbereitungskurse, Beratungen, Geburtshilfe, Wochenbettbetreuung und CTG-Überwachung an.
Und auch Hebammen bekommen Kinder: Jan Zobel wird am 15. Februar 1996 zu Hause geboren, Mutter Antje geht in den Mutterschaftsurlaub. Als am 4. Januar 1998 Hanna Gennermann geboren wird, ist Heidrun Bertram bereits seit zwei Jahren die dritte Hebamme im Bunde.
1997, zum vierten Advent, zieht die Praxis in die ehemalige Kinderkrippe. Das erste Kind wurde dort am 27. Dezember 1997 geboren.
Gefeiert wird die Einweihung am 6. März 1998 mit einer Namensgebung: Hebammenpraxis und Geburtshaus heißen fortan „Lichtblicke“ .
Seit 2002 arbeiten die Hebammen zu dritt, können geregelte Freizeiten einplanen, was mit der 2-Frauen-Besetzung vorher nicht möglich war. Seit Mitte 1995 sowie seit 2001 hat die Praxis Belegverträge mit den Krankenhäusern Spremberg und Finsterwalde. So können auch Frauen, die nicht im Geburtshaus entbinden können oder wollen, ihre Hebamme zur Geburt dabei haben.
Am Tag der offenen Tür am Sonnabend wurden die Hebammen überrascht. Über 70 Kinder waren mit ihren Eltern gekommen, um zu schauen was aus dem Geburtshaus geworden ist. Am Abend, als der große Trubel vorbei war und auch das ORB-Fernsehen wieder die Kameras abgebaut hatte, feierten die Hebammen mit ihren Familien - als Dankeschön für die Unterstützung in den vergangenen zehn Jahren.
Im Geburtshaus „Lichtblicke“ kamen von 1993 bis Ende 2002 genau 285 Kinder zur Welt. Waren es im ersten Jahr fünf Jungen und 17 Mädchen, so schloss 2002 mit 16 Jungen und 12 Mädchen ab. 1995 war mit 37 Entbindungen das bisher „beste“ . Doch mit den Geburten in den Krankenhäusern Spremberg und Finsterwalde liegt das Jahr 2002 vorn: Es waren insgesamt 105 Entbindungen, die die drei Altdöberner Hebammen betreuten. In zehn Jahren brachten sie 634 Kinder auf die Welt.