Die Bücher der Sonnewalder Stadtbibliothek haben einen langen Weg hinter sich. Jahrelang standen sie im Vorderschloss, bis sie später in ein Büro am Marktplatz umgelagert wurden. Als sie hier nach der Wende wegen Rückübertragung des Hauses raus mussten, landete die Bibliothek in der feuchten Kutschenkammer im Vorderschloss - und wurden hier "auf einen Haufen geschmissen", wie sich Augenzeugen erinnern. Dem damaligen Leiter der Heimatstube Konrad Ziegler blutete das Herz. Auf seine Initiative hin haben ABMer die alte DDR-Bibliothek wieder aus der Kutschenkammer herausgeholt und eine Etage höher in mehreren Räumen des Vorderschlosses deponiert und sorgfältig geordnet.

Als die maroden, bereits mit Holzbalken abgestützten Pfeiler der Kutschenkammer schließlich immer mehr zu bröckeln anfingen, der Raum deshalb baupolizeilich gesperrt werden musste und sich bereits die Decke verschob, musste die tonnenschwere Bücherlast darüber beseitigt werden. "Die Bibliothek ein weiteres Mal umzulagern, machte keinen Sinn. Viele Bücher waren schon so feucht, dass man sie nicht mehr ausleihen konnte", sagt Bürgermeister Werner Busse (CDU). Die Stadt hatte sich in Abstimmung mit dem Ortsbeirat darüber verständigt, die vielen Schallplatten an die Grundschule zu geben und die noch erhaltenen Bände gegen eine Spende an Interessenten zu verschenken. Fast 60 Leute haben das Angebot genutzt, heißt es bei der Stadtverwaltung. Zuvor hatte Hubert Schade, der Vorsitzende des Fördervereins, Gelegenheit, mehr als 800 wertvolle alte Schulbücher und historische Romane für das Heimatmuseum zu retten. "Einen Teil der Bücher wollen wir behalten, andere werden wir bei Basaren unseren Besuchern anbieten", sagt Hubert Schade.

Während der Heimatforscher Konrad Ziegler über die Auflösung der Bibliothek ein hartes Urteil fällt und sie mit einer Bücherverbrennung gleichsetzt, will Renate Woldt soweit nicht gehen. Die Sonnewalderin hat 16 Jahre die Bibliothek geleitet. Sie weiß: "Wenn die Bibliothek erhalten geblieben wäre, hätte es ihr an Lesern gemangelt. Schon zu DDR-Zeiten kamen am Tag ein, zwei Besucher zur Ausleihe, höchstens mal fünf. Inzwischen ist das Internet dazugekommen. Und auch die Fahrbibliothek bringt den Leuten in den Dörfern die Bücher praktisch bis vor die Haustür."

Die Sonnewalder Stadtbibliothek ist nicht mehr zu retten. Doch um den Erhalt der maroden Kutschenkammer kämpft die Stadt. "Wir wollen das Vorderschloss unbedingt erhalten. Dazu gehört, dass die Pfeiler in der Kutschenkammer dringend saniert werden. Wir haben einen Förderantrag gestellt", informiert Bürgermeister Busse.