Allerdings fänden sich nicht alle damit ab. Davon zeuge unter anderem ein dickes japanisch-sorbisches Wörterbuch in der Ausstellung „Weltsprache Wendisch“ , die am Freitag, 13. Juni, 19 Uhr, im Wendischen Museum in der Cottbuser Mühlenstraße 12 eröffnet werden solle. Jurij Brezans Erzählung „Die schwarze Mühle“ und wendische Märchen auf Japanisch lägen gleich daneben in der Vitrine.
„Weltliteratur wiederum wurde ins Wendische übersetzt“ , so Meschkank. „Werke von Homer, Klopstock, Goethe, Schiller, Puschkin, Gorki, Balzac, Kraszewski, Tolstoi, Cervantes, Maupassant, Shakespeare, Busch und anderen namhaften Schriftstellern sind darunter.“ Auch Hoff manns „Struwwelpeter“ , Buschs „Max und Moritz“ , Defoes „Robinson Crusoe“ und Milnes „Winnie Puuh“ gebe es in Wendisch. Allerdings lägen viele Titel nur in kleinen Auflagen und Taschenbuchausgaben vor.
Ober- und niedersorbische Publizisten bewiesen, dass beide einst unterdrückte und verachtete Sprachen in der Lage seien , anspruchsvolle Literatur zu transportieren.
Die neue Ausstellung im Wendischen Museum präsentiere nicht allein Bücher in Vitrinen, sagt der Kurator. Es werde auch ins Geschichtliche zurückgeblickt. Über die Ursprünge des Wendischen und ihre Schriftsprachen seien sich die Historiker längst nicht vollends einig.
Es gebe antike Funde, die Schriftzeichen zeigten und möglicherweise belegen könnten, dass die Slawen nicht erst infolge der Völkerwanderung seit dem 6. Jahrhundert in Europas Geschichte eingetreten seien. „Als sicher gilt“ , so Werner Meschkank, „das nieder- und oberlausitzische Wendisch sind westslawische Sprachen, in denen seit 460 Jahren Bücher entstehen.“ Mit dem Jahr 1548 sei das erste bekannte wendische Buch datiert: das Neue Testament in der handschriftlich gebliebenen niedersorbischen Übersetzung von Pfarrer Nikolaus Jakubica. Pfarrer Albin Mollerus aus Straupitz sei im Jahr 1574 mit dem ersten gedruckten wendischen Buch gefolgt.
„Gegenwärtig hemmen leider fortwährende Kürzungen finanzieller Fördermittel den sorbischen (wendischen) Buchdruck“ , so Meschkank. Die Domowina-Verlag GmbH in Bautzen, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiere, führe die 460-jährige Tradition wendischen Schrifttums fort. Verglichen mit der sorbischen Buchproduktion in der DDR sei aber ein deutlicher Rückgang nach der politischen Wende nicht zu übersehen.
Ein Teil der inzwischen 65. Sonderausstellung des Wendischen Museums, die vom 13. Juni bis zum 5. Oktober gezeigt werde, sei der Künstlerin Eva Ursula Lange aus Baruth/Bart (Oberlausitz) gewidmet.
Sie begehe im September ihren 80. Geburtstag und habe als Grafikerin und Buchgestalterin viele sorbische Drucke künstlerisch begleitet. Kalligrafien, Aquarelle, Keramiken - darunter ein prächtiger Wassermann und weitere Figuren aus der Lausitzer Sagenwelt - sowie von ihr gestaltete Bücher seien zu sehen. Ihre Arbeiten stünden stellvertretend für alle Künstler, die sich um das sorbische (wendische) Schrifttum und den Buchdruck verdient gemacht hätten. (red/ue)