Theodor Storms „Der Schimmelreiter“ hat am Staatstheater Cottbus Premiere
Cottbus
Theodor Storms letzte und berühmteste Novelle aus seinem Todesjahr 1888 erzählt vom Knecht Hauke Haien, der nach dem Tod des Deichgrafen durch Heirat mit dessen Tochter selbst Deichgraf wird. Um sich und den Dorfbewohnern zu beweisen, dass er dieses Amt verdient, baut er einen neuen Deich, mit dem mehr Sicherheit gewährt und neues Land gewonnen werden soll. Doch seinen Kampf um Anerkennung und gegen die Natur verliert er: Eine Sturmflut führt zur Katastrophe, seine Frau und sein Kind kommen in den Wellen um und er selbst stürzt sich hinterher.
Kalte Dusche im Cottbuser „Schimmelreiter“: Hauke Haien (Kai Börner, r.) mit Vollina Harders, gespielt von Gast-Schauspielerin Stefanie Höner, die unter anderem aus Fernsehserien wie „Verliebt in Berlin“ bekannt ist. Foto: Marlies Kross Foto: Marlies Kross
Storms Novelle, die die Gültigkeit eines rein rationalistischen Weltbildes befragt und Fortschritt als zwiespältig zeigt, gelangt in unseren von Klimawandel und Umweltzerstörung bestimmten Zeiten jetzt auch in Cottbus auf die Bühne.
Über die schräge, schwarz glänzende Bühne fließt unablässig Wasser, während ein weißer, kindlich kleiner Engel inmitten einer Geisterschar in schwarzledernen Südwestern und mit Vogelmasken vor dem Gesicht die apokalyptischen Prophezeiungen der Offenbarung des Johannesevangeliums spricht. Während Storm durch eine mehrfach gestaffelte Rahmenhandlung das Schwanken zwischen rationalistischem Weltbild und unterschwelligen Ängsten vor unbeherrschbaren Naturgewalten eher zurückhaltend ausdrückte, setzt Regisseur Mario Holetzeck mit der Apokalypse auf kräftige Plakativität.