Steffen Piontek inszeniert in Cottbus „Die Fledermaus“ mit aufwärmender Wirkung
Cottbus
Alle suchen verzweifelt der Winterdepressionen zu begegnen. Und verfallen doch stets wieder in Schlafsucht und Schwermut. Das Staatstheater Cottbus hat jetzt ein hauseigenes Mittel produziert, das den Zustand erfolgreich attackieren kann.
Man muss sich nur „Die Fledermaus“ im Großen Haus mit allem drum und dran gönnen. Weil eine kollektive „Gefangennahme“ eben doch etwas Gutes hat, und auch ein von Klängen beschwipstes Publikum.
Wer zu früh zum Vorprogramm erscheint, muss damit rechnen, zunächst ausgesperrt zu bleiben. Kein Wunder also, wenn zur Premiere die frierende Wartegemeinschaft heftig Einlass begehrt, sich quasi freiwillig in Schutzhaft begibt. Da verlockt trotz „Repressalien“ seitens des „Wachpersonals“ die wohlige Wärme. Und zur Not gibt es noch ein Stück Trockenbrot oder Suppe, wobei reizende Knastmädchen mit hungrigem Blick dazu verführen, das Ergatterte zu teilen. Man kann sich ein Tattoo verpassen lassen, am Diebesmantel mit Glöckchen im Stehlen versuchen und sollte unbedingt als bleibendes Erinnerungsbild ein kurioses Gefängnis-Foto schießen lassen.